Im Verfahren um den tödlichen Anschlag auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt haben die Beteiligten am 34. Verhandlungstag eine Reihe von Beweisanträgen eingebracht. Besonders der Angeklagte selbst sorgte mit langen, handgeschriebenen Anträgen für eine Verzögerung des Prozesses.
Nebenklage und Verteidigung stellen Anträge
Die Rechtsanwälte der Nebenklage beantragten zunächst, aktuelle ärztliche Berichte und Behandlungsunterlagen der Opfer zu verlesen. Dies soll die schwerwiegenden Verletzungen und bleibenden Schäden der Überlebenden dokumentieren. Die Verteidigung hingegen forderte unter anderem die Beiziehung des Abschlussberichts des Untersuchungsausschusses des Landtags, der Sicherheitsmängel auf dem Weihnachtsmarkt untersucht hatte, sowie die erneute Begutachtung des Tatfahrzeugs.
Angeklagter verliest umfangreiche Anträge
Der Angeklagte selbst hatte ebenfalls umfangreiche Beweisanträge vorbereitet. Über einen Zeitraum von fast zwei Stunden trug er seine handschriftlich verfassten, teils weit ausschweifenden Forderungen vor. Dabei bezog er sich auf religiöse, politische und historische Zusammenhänge, thematisierte seine Konflikte mit einer Flüchtlingshilfeorganisation und beklagte die medizinische Versorgung in der Haft. Er beantragte die Vernehmung zahlreicher Zeugen, darunter Ärzte, Rechtsanwälte und Politiker, sowie die Einholung von Sachverständigengutachten. Auf Nachfrage des Gerichts erklärte er, weitere 100 Seiten vorbereitet zu haben.
Prozess nähert sich dem Ende
Der Vorsitzende Richter Dirk Sternberg hatte eine Frist für weitere Beweisanträge bis zu diesem Dienstag gesetzt. Das Gericht muss nun über die Anträge entscheiden. Sollte keinem Antrag stattgegeben werden, könnte die Generalstaatsanwaltschaft mit ihrem Plädoyer beginnen. Die Plädoyers werden voraussichtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen, wobei auch betroffene Opfer des Anschlags zu Wort kommen sollen. Von den über 200 Nebenklägern sind jedoch nur wenige im Verhandlungssaal anwesend.
Hintergrund des Verfahrens
Seit dem 10. November 2025 verhandelt das Landgericht Magdeburg in einem eigens errichteten Interimsgebäude unter strengen Sicherheitsvorkehrungen gegen den Todesfahrer. Am 20. Dezember 2024 war der damals 50-jährige Taleb Al-Abdulmohsen mit einem über zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Fahrzeug rund 350 Meter über den Weihnachtsmarkt gerast. Dabei kamen fünf Frauen und ein neunjähriger Junge ums Leben, mehr als 300 Menschen wurden teils schwerst verletzt. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft dem aus Saudi-Arabien stammenden Psychiater unter anderem vollendeten Mord in sechs Fällen und versuchten Mord in 338 weiteren Fällen vor.



