Prozessauftakt in Berlin: Bande stahl Millionen Zigaretten aus fahrenden Zügen
Vor dem Landgericht Berlin hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Kopf einer Bande begonnen, die über mehrere Jahre hinweg Zigaretten aus Güterzügen gestohlen haben soll. Der 48-jährige Angeklagte muss sich gemeinsam mit einem 32-jährigen Mitangeklagten wegen schweren bandenmäßigen Diebstahls und Steuerhinterziehung verantworten. Beide schwiegen zu Prozessbeginn zu den Vorwürfen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, zwischen 2020 und 2024 in wechselnder Beteiligung mit weiteren, gesondert verfolgten Mittätern insgesamt acht Überfälle verübt zu haben. Dabei sollen mehr als drei Millionen Zigaretten im Wert von rund 373.000 Euro erbeutet worden sein. Die Beute stammte aus Containern, die auf Güterzügen von Polen über Deutschland in die Niederlande transportiert wurden.
Tatablauf: Container während der Fahrt aufgeschnitten
Laut Anklage hatten die Täter die Tatorte und -zeitpunkte zuvor ausgekundschaftet. Sie schnitten mit Schneidwerkzeugen ein Loch in die Stirnseite der Container, während die Züge auf den Strecken zwischen Frankfurt (Oder) und Berlin sowie im Raum Hannover unterwegs waren. Anschließend luden sie die geraubten Zigaretten in Transportfahrzeuge und lieferten sie an einen Abnehmer der Gruppierung. Die Zigaretten waren originalverpackt und unter Steueraussetzung für den westeuropäischen Markt bestimmt. Durch die Diebstähle entstand ein Steuerschaden von rund 593.000 Euro.
Ermittlungen und erste Verurteilungen
Die deutschen Behörden ermittelten seit September 2022 in Zusammenarbeit mit der niederländischen und rumänischen Polizei sowie Europol. Bereits im Dezember 2025 wurden fünf Männer in einem ersten Prozess zu Haftstrafen von bis zu fünf Jahren und zehn Monaten verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der mutmaßliche Bandenchef, der seit November 2024 mit europäischem Haftbefehl gesucht wurde, konnte am 22. Dezember 2025 in Rumänien festgenommen werden. Im Januar 2026 wurde er nach Deutschland ausgeliefert. Für den aktuellen Prozess sind 14 weitere Verhandlungstage bis zum 11. September 2026 angesetzt.



