Im Mordprozess um den achtjährigen Fabian, der seit Wochen die Öffentlichkeit bewegt, hat heute der Polizist ausgesagt, der als Erster am Tatort eintraf. Seine Schilderungen werfen ein neues Licht auf die Geschehnisse und offenbaren deutliche Widersprüche zu den Aussagen der beiden Angeklagten, der Mutter Gina H. und ihrem Lebensgefährten.
Der erste Eindruck vom Tatort
Der Beamte, der mit seinem Kollegen als erster am Tatort in einem Wohnhaus in der Nähe von Hannover eintraf, beschrieb die Situation als „chaotisch und verwirrend“. Er betonte, dass die Angeklagte Gina H. bei seinem Eintreffen „sehr aufgelöst“ gewesen sei, aber keine Tränen gezeigt habe. „Sie wirkte eher geschockt, aber nicht traurig“, so der Polizist vor Gericht. Diese Beobachtung steht im Kontrast zu der Darstellung der Verteidigung, die ihre Mandantin als liebevolle Mutter schildert.
Fragwürdige Details: Die Schuhe von Gina H.
Besondere Aufmerksamkeit erregte die Aussage des Polizisten zu den Schuhen der Angeklagten. „Mir fiel sofort auf, dass ihre Schuhe völlig sauber waren, obwohl der Tatort im Garten lag und der Boden nass und matschig war“, erklärte der Zeuge. Dies könnte darauf hindeuten, dass Gina H. den Ort des Geschehens möglicherweise nicht betreten hat, wie von der Anklage behauptet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, den Tod ihres Sohnes nicht verhindert zu haben. Die Verteidigung wertet die sauberen Schuhe als Indiz für ihre Unschuld.
Widersprüchliche Aussagen der Angeklagten
Die Aussagen der beiden Angeklagten sind nach wie vor widersprüchlich. Während der Lebensgefährte, der unter dringendem Tatverdacht steht, schweigt, hat Gina H. in mehreren Vernehmungen unterschiedliche Versionen des Tathergangs geschildert. Mal gab sie an, nichts mitbekommen zu haben, mal belastete sie ihren Partner. Der Polizist bestätigte, dass ihre Aussagen „nicht konsistent“ seien und immer wieder neue Details auftauchen.
Das Alibi des Vaters
Am Rande des Prozesses sorgte auch das Alibi des Vaters von Fabian für Diskussionen. Eine Polizistin sagte gestern aus, dass der Vater zum Zeitpunkt des Mordes ein nachvollziehbares Alibi habe und somit als Täter nicht in Frage komme. Der Vater selbst hatte zuvor einen schockierenden Mordverdacht gegen die Angeklagten geäußert und fordert eine harte Bestrafung.
Fortsetzung des Prozesses
Der Prozess wird in den kommenden Wochen mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt. Die BILD-Reporterin Isabel Pfannkuche berichtet weiterhin aus dem Gerichtssaal. Besonders spannend bleibt die Frage, ob die Angeklagten ihre Aussagen ändern oder neue Beweise ans Licht kommen. Die Öffentlichkeit verfolgt den Fall mit großer Anteilnahme.



