Angriff in JVA Hahnöfersand: Insassen greifen Mitarbeiter mit Tischbeinen an
Angriff in JVA Hahnöfersand: Insassen attackieren Bedienstete

Angriff auf JVA-Mitarbeiter: Was über die Attacke in der Hamburger Jugendstrafanstalt bekannt ist

Am Pfingstsamstag kam es in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Hahnöfersand auf einer Elbinsel südwestlich von Hamburg zu einem schweren Angriff von Insassen auf Bedienstete. Die Behörde für Justiz und Verbraucherschutz der Stadt Hamburg teilte mit, dass die Tatverdächtigen einen Mitarbeiter in einem Materialraum attackiert, ihm den Mehrzweckeinsatzgürtel mit Anstaltsschlüssel, Handsprechfunkgerät, Handfesseln sowie Dienstmesser abgenommen und ihn anschließend gefesselt hätten.

Ablauf der Tat

Nach bisherigen Erkenntnissen soll sich einer der Gefangenen mit dem erbeuteten Schlüssel Zugang zu einer anderen Station verschafft haben. Dort attackierte er einen weiteren Bediensteten mit dem Dienstmesser, verletzte ihn jedoch nicht. Dem angegriffenen Mitarbeiter gelang es, den Hausalarm auszulösen. Daraufhin eilten weitere Kollegen zur Hilfe und entschärften die Lage. Das Dienstmesser wurde gesichert und der Gefangene eingeschlossen.

Die beiden anderen Gefangenen bewaffneten sich währenddessen mit abgebrochenen Tischbeinen und verletzten einen weiteren Bediensteten. Auch hier konnten die Mitarbeiter deeskalieren, wie die Behörde mitteilte. Die bewaffneten Insassen legten schließlich die Tischbeine ab und wurden von den Bediensteten gefesselt. Als die Polizei eintraf, war die Situation bereits unter Kontrolle. Neben dem Dienstmesser wurden auch der Schlüssel und die anderen entwendeten Gegenstände sichergestellt.

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Verletzte und Täter

Vier Bedienstete erlitten Verletzungen, zwei von ihnen mussten in einem Krankenhaus behandelt werden. Bei den mutmaßlichen Tätern handelt es sich um drei Insassen im Alter von 19 und 21 Jahren. Die Staatsanwaltschaft Hamburg leitete ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Gefangenenmeuterei ein.

Motive und Hintergründe

Die Gründe für die Attacke sind noch unklar. Die Staatsanwaltschaft teilte mit, dass Motive und Hintergründe nun von den Strafverfolgungsbehörden aufgeklärt werden müssten. Bereits kurz nach der Tat wurde ein Ausbruchsversuch als unwahrscheinlich eingestuft. Einem unbestätigten Bericht der „Bild“-Zeitung zufolge könnte die Attacke im Zusammenhang mit dem Tod eines 15-jährigen Jugendlichen aus Hamburg stehen, der im April des Vorjahres aus dem achten Stock eines Wohnhauses gestürzt war. Die drei Häftlinge sollen aus Rache gehandelt haben und einen Mithäftling – einen Syrer, der als damals 17-Jähriger mitverantwortlich für den Tod des Jugendlichen gewesen sein soll – „lynchen“ wollen.

Konsequenzen und Hintergrund der JVA

Die Behörde für Justiz und Verbraucherschutz betonte, dass die erforderliche Personalstärke am Tag des Vorfalls gewährleistet gewesen sei. Man prüfe nun mögliche Konsequenzen. In der Vergangenheit habe es in der JVA Hahnöfersand keine vergleichbaren Fälle gegeben, in denen Gefangene gemeinschaftlich derart gewalttätig gegen Bedienstete vorgegangen seien. Die mutmaßlichen Täter wurden bereits am Pfingstwochenende in andere Einrichtungen verlegt.

Die JVA Hahnöfersand verfügt über 176 Haftplätze für Personen in Untersuchungshaft, offenem und geschlossenem Jugendstrafvollzug. Zudem gibt es eine sozialtherapeutische Abteilung und 20 Arrestplätze in der Teilanstalt Jugendarrest.

Was ist Gefangenenmeuterei?

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Gefangenenmeuterei. Laut Strafgesetzbuch liegt diese vor, wenn sich Gefangene „zusammenrotten und mit vereinten Kräften einen Anstaltsbeamten, einen anderen Amtsträger oder einen mit ihrer Beaufsichtigung, Betreuung oder Untersuchung Beauftragten nötigen oder tätlich angreifen“. Auch bei gewaltsamem Ausbruch oder Hilfe zum Ausbruch wird dieser Tatbestand angewendet. Zuletzt gab es 2020 in einer Thüringer Justizvollzugsanstalt Ermittlungen wegen Gefangenenmeuterei.

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