Sieben Feldspieler über 40, Cristiano Ronaldo als Alterspräsident, Lionel Messi trifft wie nie zuvor – die Weltmeisterschaft in Katar ist ein Fest der Altstars. Doch wie ist diese Entwicklung möglich, und wie weit lässt sie sich noch treiben? Ein Sportmediziner gibt Einblicke.
Roger Milla als Pionier der Ü-40-Feldspieler
Lange Zeit besaß Roger Milla ein Alleinstellungsmerkmal. Die kamerunische Fußballlegende kam 1994 in den USA als erster Ü-40-Feldspieler bei einer Fußball-Weltmeisterschaft zum Einsatz – und erzielte im Alter von 42 Jahren sogar ein Tor. Während Torhüter im fortgeschrittenen Fußballeralter immer wieder auf die größte Bühne gelangten, blieb Millas Leistung lange einzigartig. Doch bei dieser WM hat sich das Bild grundlegend geändert.
Moderne Sportmedizin als Schlüssel
Der Sportmediziner Professor Dr. med. Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule Köln erklärt: „Die Fortschritte in der Sportmedizin, insbesondere in den Bereichen Regeneration, Ernährung und Verletzungsprävention, ermöglichen es den Spielern, ihre Karriere deutlich zu verlängern. Die Belastungen im Profifußball sind zwar hoch, aber die medizinische Betreuung ist heute so professionell wie nie zuvor.“
Bloch weiter: „Spieler wie Ronaldo und Messi investieren enorm in ihre körperliche Fitness und nutzen modernste Technologien zur Leistungsdiagnostik. Das hilft, um die Karriere zu verlängern.“
Statistiken belegen den Trend
Bei der aktuellen WM stehen sieben Feldspieler über 40 Jahre im Kader ihrer Mannschaften. Darunter befinden sich mit Ronaldo (37), Messi (35) und Luka Modrić (37) einige der größten Namen des Fußballs. Ronaldo ist mit 37 Jahren der älteste Feldspieler im Turnier, Messi hat mit fünf Toren in der Gruppenphase bereits so viele Treffer erzielt wie bei keiner WM zuvor.
Auswirkungen auf den Fußball
Die Präsenz der Altstars verändert auch die Dynamik auf dem Platz. „Erfahrene Spieler können das Spiel lesen, taktische Anpassungen vornehmen und jüngere Teamkollegen führen“, sagt Bloch. „Das ist ein entscheidender Vorteil in K.o.-Spielen.“ Allerdings warnt der Mediziner: „Irgendwann stoßen auch die besten medizinischen Maßnahmen an ihre Grenzen. Die natürliche Alterung des Körpers lässt sich nicht aufhalten.“
Zukunftsperspektiven
Wie weit lässt sich die Karriere von Fußballprofis noch verlängern? Bloch sieht Potenzial: „Wenn die medizinische Forschung weiter voranschreitet und die Spieler bereit sind, ihre Lebensweise anzupassen, könnten wir in Zukunft noch ältere Spieler auf höchstem Niveau sehen. Aber die Belastung im Profifußball ist enorm, und nicht jeder Körper hält das durch.“
Die WM in Katar zeigt bereits jetzt, dass das Alter kein Hindernis mehr sein muss. Die Altstars prägen das Turnier und sorgen für unvergessliche Momente – ob Ronaldo, Messi oder die über 40-jährigen Feldspieler, die in die Fußstapfen von Roger Milla treten.



