Vivantes: Übernahme des Jüdischen Krankenhauses Berlin würde 300 Millionen Euro kosten
Vivantes: Übernahme des Jüdischen Krankenhauses kostet 300 Mio

Der landeseigene Berliner Klinikkonzern Vivantes hat die Kosten für eine mögliche Übernahme des Jüdischen Krankenhauses Berlin intern auf rund 300 Millionen Euro beziffert. Das geht aus einer vertraulichen Kalkulation hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt. Die Summe setzt sich aus mehreren Posten zusammen: Allein für den Kaufpreis sind demnach 150 Millionen Euro veranschlagt. Hinzu kommen 100 Millionen Euro für dringend notwendige Investitionen in die marode Bausubstanz und 50 Millionen Euro für die Integration in den Vivantes-Verbund.

Hintergrund der Übernahmepläne

Das Jüdische Krankenhaus Berlin in der Heinz-Galinski-Straße im Ortsteil Wedding steht seit längerem vor finanziellen Schwierigkeiten. Die Einrichtung, die zu den größten jüdischen Krankenhäusern in Europa zählt, hatte zuletzt einen Jahresverlust von rund zehn Millionen Euro verbucht. Um die langfristige Zukunft des Hauses zu sichern, hatte der Berliner Senat Vivantes beauftragt, ein Übernahmekonzept zu prüfen. Der Klinikkonzern betreibt bereits neun Krankenhäuser in Berlin und ist mit rund 5.500 Betten der größte kommunale Klinikbetreiber Deutschlands.

Detailaufschlüsselung der Kosten

Die interne Kalkulation von Vivantes listet die Kosten detailliert auf. Der Kaufpreis von 150 Millionen Euro basiert auf einer Bewertung des Krankenhausbetriebs und der Immobilie. Die 100 Millionen Euro für Investitionen sind vor allem für die Sanierung der Gebäude und die Modernisierung der medizinischen Geräte vorgesehen. Das Jüdische Krankenhaus verfügt über rund 300 Betten und beschäftigt etwa 1.200 Mitarbeiter. Die Integrationskosten von 50 Millionen Euro umfassen unter anderem die Angleichung der IT-Systeme, die Einführung von Vivantes-Standardprozessen sowie notwendige Anpassungen im Personalbereich.

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Reaktionen aus der Politik

Die geplante Übernahme ist in der Berliner Landespolitik umstritten. Während die Senatsverwaltung für Gesundheit und die regierende SPD die Pläne grundsätzlich befürworten, äußern sich Oppositionsparteien wie die CDU und die FDP kritisch. „300 Millionen Euro sind eine enorme Summe für ein Krankenhaus, das seit Jahren rote Zahlen schreibt. Wir brauchen mehr Transparenz bei den Verhandlungen“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Die Linke warnte hingegen vor einem Ausverkauf öffentlicher Klinikressourcen. Die Grünen plädierten für eine umfassende Prüfung von Alternativen, etwa einer Kooperation mit anderen Krankenhäusern.

Auswirkungen auf die Berliner Krankenhauslandschaft

Eine Übernahme des Jüdischen Krankenhauses durch Vivantes würde die Berliner Krankenhauslandschaft deutlich verändern. Der Klinikkonzern würde seine Marktposition weiter stärken und könnte Synergien nutzen. Allerdings bestehen Bedenken, dass die hohen Kosten zu Lasten anderer Vivantes-Standorte gehen könnten. Der Krankenhausplan des Senats sieht vor, die stationäre Versorgung in Berlin zu konzentrieren und Überkapazitäten abzubauen. Das Jüdische Krankenhaus wäre mit seinen Spezialgebieten wie der Geriatrie und der Psychosomatik eine sinnvolle Ergänzung, so Befürworter. Gegner befürchten hingegen eine Monopolbildung und steigende Preise im Gesundheitswesen.

Weiteres Vorgehen

Die Verhandlungen zwischen Vivantes und dem Jüdischen Krankenhaus Berlin laufen nach Angaben aus Senatskreisen noch. Ein endgültiger Beschluss soll bis Ende des Jahres fallen. Der Aufsichtsrat von Vivantes muss der Übernahme zustimmen, ebenso das Land Berlin als Eigentümer. Das Jüdische Krankenhaus wird von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin getragen. Deren Vorsitzender hatte sich zuletzt optimistisch gezeigt, dass eine Einigung erzielt werden könne. „Wir sind zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden, die den Fortbestand des Krankenhauses sichert“, sagte er. Allerdings müssten noch offene Fragen zur Finanzierung und zur künftigen Trägerschaft geklärt werden.

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