In Niedersachsen warten derzeit Hunderte Menschen auf ein lebensrettendes Spenderorgan. Nach aktuellen Zahlen, die der Radiosender Antenne Niedersachsen vor dem Tag der Organspende angefragt hat, standen Ende April 745 Personen auf den Wartelisten des Bundeslandes. Benötigt wurden zu diesem Zeitpunkt insgesamt 766 Organe. Die Hoffnung auf eine Transplantation bleibt für viele Patienten jedoch unerfüllt, denn bis Ende April wurden in Niedersachsen lediglich 98 Organe gespendet – zwar eine leichte Steigerung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, aber dennoch viel zu wenig, um den Bedarf zu decken.
Gesundheitsminister Philippi spricht sich erneut für Widerspruchslösung aus
Angesichts dieser anhaltenden Knappheit hat sich Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) erneut für die Einführung der Widerspruchslösung bei der Organspende ausgesprochen. „Es gibt zu wenige Spenderorgane, obwohl ein Großteil der Bevölkerung zur Organspende bereit ist“, kritisierte Philippi gegenüber Antenne Niedersachsen. Mit der bisher geltenden Zustimmungslösung seien keine ausreichenden Fortschritte erzielt worden. „Jeder Tag, an dem es mehr Organspenden gibt, rettet Leben“, betonte der Minister eindringlich.
Widerspruchslösung versus Zustimmungslösung
Bei der von Philippi favorisierten Widerspruchslösung könnten Organe nach dem Tod entnommen werden, wenn die verstorbene Person dem zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat. In Deutschland gilt bislang die Zustimmungslösung: Eine Organentnahme ist nur dann möglich, wenn die betroffene Person zu Lebzeiten eingewilligt hat oder die Angehörigen in ihrem Sinne zustimmen. Befürworter der Widerspruchslösung erhoffen sich eine deutliche Steigerung der Spenderzahlen, da die Hürde für eine Spende gesenkt wird.
Tag der Organspende: Aufklärung und Appelle
Der Tag der Organspende, der als deutscher Aktionstag jedes Jahr am ersten Samstag im Juni stattfindet, soll die Bevölkerung für das Thema sensibilisieren und zur Entscheidung bewegen. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation spendeten im vergangenen Jahr bundesweit 985 Menschen nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe. Dennoch reicht die Zahl der Spenderorgane weiterhin nicht aus, um allen Patienten auf den Wartelisten eine Transplantation zu ermöglichen. In Niedersachsen ist die Situation besonders prekär: Hunderte Menschen warten oft monatelang oder sogar Jahre auf ein geeignetes Organ.
Die Landesregierung appelliert daher an die Bürger, sich frühzeitig mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen und einen Organspendeausweis auszufüllen. Nur so könne sichergestellt werden, dass der eigene Wille im Ernstfall respektiert wird und Leben gerettet werden können.



