Einzigartige Untertage-Apotheke der Bundeswehr im Harz
Mitten im Harz, unter meterhohen Felsen und hinter schweren, getarnten Toren, verbirgt sich eine der außergewöhnlichsten Einrichtungen der Bundeswehr: die weltweit größte unterirdische Apotheke. Im Versorgungs- und Instandsetzungszentrum für Sanitätsmaterial (VersInstZ SanMat) unter dem Regensteinmassiv bei Blankenburg werden Medikamente, medizinische Geräte und Verbandsmaterial für Soldatinnen und Soldaten gelagert, verpackt und versendet. Von Wundheilsalbe über Magnesiumtabletten bis hin zu Operationslampen und Röntgengeräten – alles, was im Einsatz benötigt wird, findet sich hier.
Geschichte: Von KZ-Häftlingen zur Bundeswehr
Die Ursprünge der acht Kilometer langen Gänge reichen bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurück. KZ-Häftlinge des Konzentrationslagers Mittelbau-Dora begannen mit dem Bau, den die Nationalsozialisten als Außenstelle des Lagers planten. Der Krieg endete jedoch vor der Fertigstellung. In der DDR baute die Nationale Volksarmee den Standort zu einem unterirdischen Lager für militärische Güter aus, inklusive Truppenküche und Sanitäranlagen. Nach der Wende übernahm die Bundeswehr die Anlage und richtete dort ein Sanitätsdepot ein.
Arbeitsalltag unter Tage
Hauptmann Dominik Dorn erklärt: „Alle fünf Minuten verlässt hier am Tag ein Paket mit Medikamenten oder medizinischen Geräten diese Anlage.“ Die Mitarbeiter, die mit Sauerstoffselbstrettern ausgestattet sind, durchstreifen die kilometerlangen Gänge, um Bestellungen der Truppenärzte zusammenzustellen. Insgesamt werden 60.000 Soldatinnen und Soldaten in den neuen Bundesländern und Bayern von hier aus versorgt. Neben der Apotheke in Blankenburg gibt es zwei weitere Standorte in Quakenbrück und Pfungstadt, die jedoch oberirdisch in Hallen arbeiten.
Herausforderungen und Vorteile des Untertagebetriebs
Die Arbeit unter dem Felsen bringt besondere Anforderungen mit sich: Brand- und Arbeitsschutz sowie Logistik müssen streng überwacht werden. Gleichzeitig bieten die konstanten Temperaturen von 16 bis 18 Grad Celsius ideale Lagerbedingungen für Medikamente. „Ich brauche in so einer Untertageanlage nur bestimmte Ein- und Ausgänge zu verriegeln und dann ist da erst mal ein relativ geringer Überwachungsaufwand“, so Dorn.
Spezialisierte Bereiche und Besucher
In der Feldwebel-Anton-Schmid-Kaserne arbeiten rund 200 Frauen und Männer, ein Drittel davon unter Tage. Neben der Kommissionierung gibt es hochspezialisierte Abteilungen für Medizintechnik, insbesondere für bildgebende Verfahren wie Röntgengeräte. Auch die Sterilisation von Instrumenten wird hier unter extremen Bedingungen getestet. Die Apotheke zieht regelmäßig Besucher an, darunter Schulklassen und Soldaten aus anderen Kasernen. Dorn sagt dann oft: „Bei Ihrem letzten Arztbesuch, wenn Sie Schnupfenspray oder eine Kopfschmerztablette bekommen haben, stammt die mit hoher Wahrscheinlichkeit hier aus der Untertageanlage.“



