Brandenburg: Grippetote erreichen Zehn-Jahres-Hoch mit 81 Todesfällen
Grippetote in Brandenburg auf Zehn-Jahres-Hoch

Brandenburg verzeichnet in der abgelaufenen Grippesaison 2025/2026 die höchste Zahl an Grippetoten seit einem Jahrzehnt. Laut der am Montag in Potsdam veröffentlichten Influenza-Statistik des Landesamtes für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit starben 81 Menschen an den Folgen einer Grippeerkrankung. Besonders betroffen waren hochbetagte Personen über 85 Jahre: Auf diese Altersgruppe entfielen fast 50 Todesfälle.

Vergleich zu den Vorjahren

In der vorherigen Grippesaison 2024/2025 gab es 58 Todesfälle, in der Saison 2023/2024 waren es 18. Während die Grippe während der Corona-Pandemie durch Hygienemaßnahmen und Impfungen nahezu ausgerottet war, stieg die Zahl der Todesfälle nun auf ein Niveau, das selbst vor der Pandemie nicht erreicht wurde: In der Saison 2017/2018 registrierte das Land 18 Grippetote, in der Saison 2016/2017 lediglich sieben.

Rückgang der Impfbereitschaft

Parallel zur steigenden Todeszahl sinkt die Bereitschaft zur Grippeschutzimpfung in Brandenburg. In der Saison 2020/2021 ließen sich noch 65 Prozent der über 65-Jährigen impfen, in der Saison 2024/2025 waren es nur noch 48,6 Prozent. Neuere Daten liegen noch nicht vor. Gleichzeitig ging die Gesamtzahl der Grippeinfektionen zurück: von 18.719 in der Saison 2024/2025 auf 12.801 in der Saison 2025/2026. Weniger Infektionen, aber mehr Todesfälle – das wirft Fragen auf.

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Reaktionen aus der Politik

Brandenburgs Gesundheitsminister René Wilke (SPD) zeigte sich besorgt: „Die Zahl der Grippeinfektionen ist erfreulicherweise zurückgegangen, erreichte aber dennoch ein sehr hohes Niveau.“ Besonders bei älteren Menschen führten Infektionen häufiger zu Krankenhausaufenthalten. Wilke appellierte an die Brandenburgerinnen und Brandenburger über 60, rechtzeitig die Grippeschutzimpfung zu nutzen, am besten bereits im Oktober. „Grippe ist eine gefährliche Erkrankung, die auch zum Tode führen kann – und eine Impfung schützt wirksam vor schweren Krankheitsverläufen.“

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums erklärte, die hohe Zahl der Grippetoten sei auch darauf zurückzuführen, dass im Vergleich zu den Vorjahren die Altersgruppe der über 80-Jährigen am stärksten betroffen war. Ein großer Teil der Verstorbenen sei ungeimpft gewesen. Zudem handele es sich bei der Subvariante K um einen neuen Erreger, sodass die Immunität in der Bevölkerung geringer gewesen sei als bei anderen Varianten.

Stimmen aus der Ärzteschaft

Stefan Roßbach-Kurschat, stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, bezeichnete den Rückgang der Impfquoten als „erschreckend“ und „medizinisch besorgniserregend“. Die Grippeimpfung verringere nicht nur das individuelle Risiko einer Infektion, sondern trage auch zur Herdenimmunität bei. „Je mehr Menschen gegen die Grippe geimpft sind, desto schwieriger wird es für die Viren, sich auszubreiten“, so Roßbach-Kurschat. „Bis zur Pandemie lag Brandenburg im Ländervergleich der Impfquoten ganz weit vorn. Dieses Niveau müssen wir wieder erreichen.“

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