Einblick in die Sonderisolierstation der Charité
Die Sonderisolierstation der Charité in Berlin behandelte kürzlich einen an Ebola erkrankten US-Arzt. Die Intensivpflegerinnen Louise Götze und Ursula Pfitzner führten Pressevertreter durch die Hochsicherheitsstation und gewährten seltene Einblicke in den Arbeitsalltag unter extremen Bedingungen.
Vorbereitung auf den Einsatz
Bevor die Pflegerinnen die Schleuse zur Isolierstation betreten, kontrollieren sie sich gegenseitig akribisch: Sind alle Stellen am grauen Schutzkörperanzug zugeklebt? Ist der Akku des Gebläses am Rücken geladen? Befinden sie sich in einem guten körperlichen Zustand? Jede Kleinigkeit kann über Leben und Tod entscheiden.
Die Station auf dem Campus Virchow-Klinikum in Berlin-Mitte wurde während des Kalten Krieges für den Fall eines Pockenausbruchs errichtet. Heute dient sie der Behandlung von Patienten mit hoch ansteckenden und lebensbedrohlichen Viren. Im Dezember 2024 wurde hier die Mutter des russischen Oppositionellen Wladimir Kara-Mursa nach einem Vergiftungsverdacht behandelt.
Behandlung des Ebola-Patienten
Der US-amerikanische Arzt hatte sich in der Demokratischen Republik Kongo mit dem Ebola-Virus infiziert. „Wir hatten die Befürchtung, dass er den Transport nicht überlebt“, erklärte Leif Erik Sander, Direktor der Klinik für Infektiologie und Intensivmedizin. Der Patient litt unter Orientierungsschwierigkeiten, die Situation war lebensbedrohlich.
Seine Frau und drei Kinder wurden ebenfalls in der Station isoliert, jedoch in einem separaten Bereich. Bei Kleinkindern ist die Sterblichkeit bei Ebola besonders hoch. Glücklicherweise konnte das Virus bei ihnen nicht nachgewiesen werden, und der Vater wurde erfolgreich mit einer neuartigen antiviralen Kombinationstherapie behandelt. Vor vier Tagen durfte die Familie die Quarantäne verlassen.
Herausforderungen der Behandlung
Die Therapie ist aufwendig: Das Medikament muss gekühlt und intravenös verabreicht werden – schwierig in Ausbruchsgebieten, wo es an grundlegender Infrastruktur mangelt. Die Kosten beliefen sich auf eine niedrige siebenstellige Summe, so Charité-Chef Heyo Kroemer. Dennoch unterstreicht der Fall die Bedeutung guter Vorbereitung. Zweimal monatlich absolviert das Personal ganztägige Trainings.
Arbeitsbedingungen auf der Station
Normalerweise dient die Station der Infektiologie und Lungenkrankheiten. Als die Anfrage der USA kam, wurde der Bereich in kürzester Zeit in einen Hochsicherheitstrakt umgewandelt. Ein Team von rund 80 Personen, je zur Hälfte Pflegekräfte und Ärzte, kann bis zu 20 Patienten gleichzeitig versorgen. „Man geht immer mindestens zu zweit rein“, erklärt Oberarzt Frieder Pfäfflin, für den Fall von Panik oder Ohnmacht.
Die Pflegerinnen Götze und Pfitzner tragen Headsets zur Kommunikation und werden von Kameras überwacht. Länger als drei Stunden ist die Arbeit im Schutzanzug nicht möglich, daher gibt es ein achtteiliges Schichtsystem. Durch das Schwitzen können bis zu 1,5 Kilogramm Gewicht verloren gehen. Jeder Raum ist mit Luftfiltern ausgestattet, um Kreuzkontaminationen zu verhindern, und ein OP-Saal steht für Notfälle bereit.
Dekontamination nach der Schicht
Am Ende einer Schicht unterziehen sich die Pflegerinnen einem gründlichen Dekontaminationsprozess. In einem gekachelten Raum schäumen sie ihre Schutzausrüstung gegenseitig mit einem Essigsäure-Gemisch ein. Nach fünf Minuten Einwirkzeit wird mit Wasser abgespült. Eine weitere Mitarbeiterin in weißem Overall schneidet den grauen Anzug auf und entsorgt ihn.
Louise Götze, die bereits beim Marburgfieber-Ausbruch in Ruanda im Einsatz war, sagt: „Natürlich ist eine gewisse Aufregung dabei. Es war spannend und herausfordernd, den Ebola-Patienten von Anfang bis Ende zu begleiten. Die Übung und die Arbeit haben sich ausgezahlt.“ Als der US-Amerikaner zur Nachuntersuchung kam, war es ein Gänsehaut-Gefühl, ihn durch die Station laufen zu sehen.



