Demenz ist keine Frage des Geschlechts, dennoch sind Frauen häufiger betroffen. Insbesondere die Alzheimer-Krankheit tritt bei Frauen deutlich öfter auf. In Deutschland leben laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft rund 1,84 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung, wobei etwa zwei Drittel der Betroffenen im höheren Alter Frauen sind. Lange wurde dies vor allem mit der höheren Lebenserwartung von Frauen erklärt, doch eine neue Studie der University of California San Diego School of Medicine zeigt, dass dies nur ein Teil der Wahrheit ist.
Studie untersucht Risikofaktoren für Demenz
Die Forscherinnen Megan Fitzhugh und Judy Pa werteten Gesundheitsdaten von 17.182 Personen ab 40 Jahren aus der Health and Retirement Study aus. Dabei konzentrierten sie sich auf 13 veränderbare Risikofaktoren für Demenz, darunter Bildungsniveau, Hörverlust, Rauchen, Alkoholkonsum, Übergewicht, Depressionen, Bewegungsmangel, Schlafprobleme, Bluthochdruck und Diabetes. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Biology of Sex Differences“ veröffentlicht.
Frauen sind häufiger von Depressionen und Bewegungsmangel betroffen
Die Analyse ergab deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Frauen litten fast doppelt so häufig unter Depressionen wie Männer (17 Prozent gegenüber 9 Prozent). Auch Bewegungsmangel trat bei Frauen häufiger auf (48 Prozent gegenüber 42 Prozent), ebenso Schlafprobleme (45 Prozent gegenüber 40 Prozent). Zudem hatten Frauen im Durchschnitt ein niedrigeres Bildungsniveau, was als Schutzfaktor gegen Demenz gilt. Männer hingegen wiesen häufiger Hörverlust, Diabetes und starken Alkoholkonsum auf.
Gleiche Risiken, stärkere Auswirkungen bei Frauen
Entscheidend ist jedoch nicht nur die Häufigkeit, sondern die Wirkung der Risikofaktoren. Bei Frauen waren Herz-Kreislauf- und Stoffwechselprobleme wie Bluthochdruck und ein erhöhter Body-Mass-Index (BMI) stärker mit schlechteren kognitiven Testergebnissen verbunden als bei Männern. Besonders bei Frauen zwischen 55 und 65 Jahren zeigte sich ein Zusammenhang zwischen höherem BMI und geringerer geistiger Leistungsfähigkeit, der bei Männern nicht in gleicher Weise auftrat. Auch Hörverlust und Diabetes, die insgesamt häufiger bei Männern vorkamen, wirkten sich bei Frauen stärker negativ auf die Kognition aus.
Schutzfaktoren und Grenzen der Studie
Die Forscher fanden auch Hinweise auf schützende Effekte: Mehr Bildungsjahre und höhere Werte beim Gesamtcholesterin waren mit besserer kognitiver Leistung verbunden. Allerdings betonen sie, dass dies nicht bedeutet, dass hohe Cholesterinwerte generell gesund sind. Die Studie ist eine Beobachtungsstudie und kann keine Kausalität nachweisen, sondern nur Zusammenhänge aufzeigen. Dennoch unterstreicht sie die Bedeutung geschlechtsspezifischer Ansätze in der Demenzprävention.
Viele der untersuchten Risiken sind beeinflussbar: Die Behandlung von Depressionen, die Förderung von Bewegung, die ernsthafte Behandlung von Schlafproblemen, die Kontrolle von Bluthochdruck und Diabetes sowie die Versorgung von Hörverlust könnten bei Frauen möglicherweise mehr bewirken als bisher angenommen. Die Studie mahnt, Geschlechtsunterschiede in der Demenzforschung nicht zu vernachlässigen.



