Rund 150 Meter schlängelt sich die Warteschlange am Sonntagmittag durch den Manifesto Market am Potsdamer Platz. Väter mit Kindern auf den Schultern, Teenager in übergroßen Retro-Trikots, ältere Herren in verwaschenen Originalen aus den Achtzigern – Menschen jeden Alters, vereint durch eine Leidenschaft. Sie alle wollen zum Vintage-Trikot-Pop-up von Ziad Gornasa. Bis zum Anpfiff des ersten deutschen WM-Spiels gegen Curacao am Abend vergehen noch Stunden, doch die WM-Vorfreude ist hier längst greifbar. Die Veranstaltung läuft noch bis 22 Uhr.
Alte Trikots, neuer Trend
Hinter all dem steht ein 23-jähriger Student: Ziad Gornasa, Betreiber von „44 Trikots“ in der Gasteiner Straße in Wilmersdorf. Sein Laden gilt als eine der ersten Adressen für Vintage-Trikots in Berlin. Im März 2025 hat er ihn eröffnet, inzwischen folgen mehr als 30.000 Menschen seinem Instagram-Account. Die Idee entstand während eines Auslandssemesters in Manchester. In der Uni-Mensa stieß Gornasa auf einen kleinen Trikotstand: drei Kleiderstangen, ein paar Dutzend Shirts – darunter ein Hertha-Trikot aus den frühen 2000ern mit dem Logo des damaligen Sponsors Otelo. Als Hertha-Fan blieb ihm keine Wahl – er nahm es mit. Hinreise mit einem Koffer, Rückreise mit zweien. Der zweite: voller Trikots, nach denen er seit diesem Tag Ausschau hielt. Aus dem Fund wuchs eine Idee, aus der Idee ein Laden.
Schwarz-Rot-Gold geht am schnellsten
„Ich glaube einfach, die Leute sehen, dass ich das wirklich aus Leidenschaft mache“, sagte Gornasa bei einem Besuch der Morgenpost im Oktober 2025. Diese Leidenschaft ist auch am Potsdamer Platz zu spüren. Für das Pop-up hat er sein Sortiment aus Wilmersdorf mitgebracht – vor allem DFB-Shirts. Sie sind die Renner des Tages. Das Spektrum reicht vom wilden 90er-Zackenlook über die cleanen 2000er bis zu den modernen Schnitten der 2010er. Alles Originale. Gornasa hatte sie eigens für diesen Tag zurückgehalten – und Hunderte finden in kürzester Zeit neue Besitzer. „Genauso habe ich es mir erträumt. In der vergangenen Woche habe ich insgesamt vielleicht drei Stunden geschlafen. Aber wenn ich jetzt die Leute sehe, hat sich das alles gelohnt“, sagt Gornasa über die ersten Stunden seines Pop-ups.
Mehr als Sportbekleidung: der Trend Blokecore
Der Andrang überwältigt selbst ihn. Was Gornasa verkauft, ist längst mehr als Sportbekleidung. Alte Fußballtrikots sind zum Modestatement geworden. Der Trend heißt „Blokecore“: Vintage-Jerseys werden lässig in Hose oder Rock gesteckt, kombiniert nach Farbe statt nach Vereinstreue. Heute Inter-Blau, morgen Milan-Rot – für treue Fans ein Sakrileg, in der Mode längst Alltag. Im Sortiment finden sich Trikots aus der spanischen La Liga, der englischen Premier League, der italienischen Serie A – und eine Rubrik „Rest der Welt“. Wer sagt schon Nein zu einem Shirt der Orlando Pirates aus Johannesburg? Das Angebot wechselt ständig. Was da ist, ist da. Und wenn es weg ist, ist es weg.
Neben den Trikotständern bietet Gornasa eine Panini-Tauschbörse, Tischkicker, Torwand, PlayStation-Duelle und ein Quiz auf der Bühne. Am Abend folgt der zweite Höhepunkt: Public Viewing des WM-Auftakts gegen Curaçao auf großer Leinwand, Anpfiff um 19 Uhr. Die Plätze sind begrenzt. Doch wer einen ergattert, ist zumindest optisch bestens ausgestattet – dank Ziad Gornasa und seiner Vintage-Trikots.



