Lesermeinungen: „Der Mannschaft fehlte die unbedingte Siegermentalität“
WM-Kritik: Fehlende Siegermentalität und Führung

In einer Reihe von Leserbriefen an die Berliner Morgenpost äußern sich die Leser enttäuscht über das Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM. Hauptkritikpunkte sind die fehlende Siegermentalität, mangelnde Führungsqualitäten und das Fehlen von Herzblut. Auch das Ende des Tankrabatts wird kontrovers diskutiert.

Fehlende Führungspersönlichkeiten und Siegermentalität

Andreas Kloninger aus Berlin bemängelt, dass es in der heutigen Mannschaft keine Führungsspieler wie Franz Beckenbauer (1974), Lothar Matthäus (1990) oder Toni Kroos gebe. „Weit und breit niemand, der ein solches Format hätte“, schreibt er. Auch Bundestrainer Julian Nagelsmann sei keine wirkliche Führungspersönlichkeit: „Nagelsmann ist auch von Auftreten und Körpersprache her keine wirkliche Führungspersönlichkeit. Und der Mannschaft fehlte die unbedingte Siegermentalität.“ Er vergleicht die Situation mit 1974, als Beckenbauer nach der Niederlage gegen die DDR das Heft in die Hand nahm und Klartext sprach. „Heute wagt niemand mehr, etwas zu sagen, aus Angst, etwas Falsches zu sagen. Man hört nur Phrasen, aber keine wirklichen Analysen oder Statements.“ Dennoch lobt er das erfrischende Auftreten kleinerer Fußball-Nationen wie Marokko oder Mexiko.

Fehlende Begeisterung und Vorbildfunktion

Carla Müller-Möhlis kritisiert die Körpersprache der Spieler während der Nationalhymne: „Ein Blick in die Gesichter und auf den Mund unserer Spieler während der Nationalhymne sagt alles. Begeistert mit ihrem Spiel haben nur die Länder, die mit Begeisterung, Stolz und Hand auf dem Herzen ihre Hymne verinnerlicht haben.“ Sie fordert, dass die Nationalspieler die Hälfte ihrer Millionen in den Nachwuchs investieren sollten.

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Violetta Barkusky-Fuchs bemängelt, dass die Leistungen der hoch bezahlten Mannschaft für den Fernsehzuschauer eine Qual gewesen seien. „Dazu gehört auch, dass Fußballer, die nicht in der Lage sind, die Nationalhymne mit Respekt oder gar nicht zu singen, keine Vorbildfunktion haben.“ Sie kritisiert zudem den „Familienausflug“ mit Spielerfrauen, Kindern und Muttis, der Konflikte vorprogrammiert habe. „Erst ist Leistung – dann Gegenleistung angezeigt. Einem Trainer, der so wenig Durchsetzungsvermögen – auch bei der Planung im Vorfeld – aufbringt, gehört die ‚Rote Karte‘ gezeigt.“

Kontroverse um Schiedsrichterentscheidungen und Trainer

Walter Zawada äußert Verständnis für die Video-Beweis-Aktion beim aberkannten Tor, kritisiert aber die Medien: „Warum die Medienvertreter das verständnisvoll kommentierten, ist mir unverständlich. Aber auf die eigene Mannschaft inklusive Nagelsmann einzuprügeln, ist unprofessionell.“ Er lobt den solidarischen Beitrag des Bundeskanzlers.

Peter Knief fragt sich, was Sepp Herberger zu den Spielen gegen Ecuador und Paraguay gesagt hätte. „Das Hin- und Hergeschubse des Balles vor dem Tor soll also heutzutage Fußball sein? Da hätte sich Helmut Rahn auf Vorlage vom Fritz ganz allein mit dem Ball am Fuß durchgezwängt und dann natürlich auch noch ins Netz getroffen. Für das, was ich da gesehen habe, gäbe es von mir jedenfalls keinen Taler. Gespielt und verloren hat schließlich jeweils die Mannschaft, nicht der Trainer.“

Debatte um Tankrabatt

Riggi Schwarz kritisiert das Auslaufen des Tankrabatts: „Die aktuelle Staatsregierung braucht Geld, sehr viel Geld, auch unser Steuergeld, um deren Lieblingsprojekte, wohlgemerkt deren, zu sponsern. Das Volk wird dazu erst gar nicht gefragt. Nun läuft der Tankrabatt aus und der Hauptprofiteur vom Auslaufen ist, wie immer, der Staat. Erneut werden Milliarden in das Staatssäckel fließen. Das Bürgergeld hingegen bleibt, nennt sich aber fortan Grundsicherung. Ist das schon der klassische Etikettenschwindel?“

Regina Panicke hingegen verteidigt den Tankrabatt: „Mag sein, dass die Mineralölkonzerne auch etwas vom Tankrabatt hatten. In erster Linie hat es wohl die Autofahrer gefreut. Aber nicht nur die. Durch den Rabatt wurden die Lebensmittel nicht noch teurer, denn Lieferfahrzeuge müssen auch betankt werden. Das wurde wohl vergessen bei der Mäkelei. Somit hatte jeder Bürger etwas davon. Das musste mal gesagt werden.“

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