Psychotherapeutin Maren Lammers: Wie wir schmerzhafte Gefühle besser bewältigen
Umgang mit schmerzhaften Gefühlen: Tipps von Psychotherapeutin

Die Psychotherapeutin Maren Lammers gibt in einem Interview mit dem SPIEGEL Einblicke, wie Menschen besser mit schmerzhaften Gefühlen wie Scham, Trauer und Wut umgehen können. Laut Lammers ist es entscheidend, Emotionen nicht zu unterdrücken, sondern sie bewusst zu erleben und zu verarbeiten.

Scham als wichtiges Signal

„Es gibt Menschen, die dürften sich häufiger schämen“, sagt Lammers. Scham sei ein wertvolles Gefühl, das uns auf soziale Normen und Grenzen hinweise. Wer sich nie schäme, laufe Gefahr, Beziehungen zu gefährden. Die Therapeutin rät, Schamgefühle nicht zu vermeiden, sondern sie als Kompass für das eigene Verhalten zu nutzen.

Sollten Eltern zum Weinen ins Schlafzimmer gehen?

Eine häufige Frage von Eltern ist, ob sie ihre negativen Gefühle vor Kindern verbergen sollten. Lammers empfiehlt, Emotionen wie Trauer oder Wut nicht komplett zu verstecken, aber sie kindgerecht zu kommunizieren. „Eltern dürfen weinen, aber sie sollten erklären, warum sie traurig sind, und dem Kind vermitteln, dass es nicht verantwortlich ist“, so die Expertin. Ein Rückzug ins Schlafzimmer könne sinnvoll sein, wenn die Emotionen überwältigend seien, aber grundsätzlich sei es besser, Gefühle zu zeigen und vorzuleben, wie man mit ihnen umgeht.

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Trauer um Beziehungen: Wie lange ist normal?

Auf die Frage, wie lange man einer Beziehung hinterhertrauern dürfe, antwortet Lammers: „Es gibt keine feste Zeitspanne. Trauer ist individuell und hängt von der Tiefe der Bindung und den Umständen der Trennung ab.“ Sie rät, sich Zeit zu nehmen und die Trauer nicht mit äußeren Erwartungen zu vergleichen. Wichtig sei, dass die Trauer nach einiger Zeit in eine akzeptierende Haltung übergehe. Wer nach mehr als einem Jahr noch stark leide, solle professionelle Hilfe suchen.

Praktische Tipps für den Umgang mit schwierigen Emotionen

Lammers betont, dass Gefühle wie Wut, Angst oder Ekel ebenfalls wichtig seien. Sie rät, Emotionen zunächst wahrzunehmen und zu benennen, ohne sie zu bewerten. „Atemübungen oder kurze Auszeiten können helfen, die emotionale Erregung zu regulieren“, so die Therapeutin. Langfristig sei es sinnvoll, die Ursachen der Gefühle zu ergründen und Bewältigungsstrategien zu entwickeln.

Abschließend sagt Lammers: „Gefühle sind wie Wegweiser. Sie zeigen uns, was wir brauchen und was uns wichtig ist. Wer sie ignoriert, verliert die Orientierung im Leben.“

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