Am 29. Juni beginnen in den ersten Bundesländern die Sommerferien. Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland machen den Auftakt, Bayern folgt als letztes Bundesland Anfang August. Sechs Wochen lang bleiben die Schulen geschlossen, viele Kitas haben Sommerschließzeiten. Doch die Reisezeit bringt auch Herausforderungen: Auf Autobahnen, in Zügen und an Flughäfen wird es voll.
ADAC warnt vor dichtem Verkehr auf Autobahnen
Der ADAC spricht von einem „durchgehend hohen Verkehrsaufkommen“ auf Deutschlands Autobahnen. Unternehmenssprecherin Melanie Mikulla sagte dieser Redaktion: „Grundsätzlich betroffen ist das gesamte Autobahnnetz, insbesondere die Verbindungen in Richtung der Urlaubsregionen im In- und Ausland. Dazu zählen alle überregionalen Nord-Süd- und Ost-West-Achsen, über die der Reiseverkehr in die Küstenregionen, in die Alpen sowie in die klassischen Urlaubsländer im Süden und Osten Europas abgewickelt wird.“ Im Verlauf der Ferienzeit steige das Verkehrsaufkommen zusätzlich an, da nach und nach weitere Bundesländer in die Ferien starten. Besonders freitags und samstags sei die Staugefahr hoch.
Nadelöhr Brenner: Sanierung der Luegbrücke verschärft Staus
Besonders kritisch sind laut ADAC die klassischen Staustrecken Richtung Urlaubsregionen, darunter die Brenner-, Tauern- und Fernpass-Achsen Richtung Alpen sowie die großen Zufahrten zu Nord- und Ostseegebieten. „Besondere Aufmerksamkeit erfordert weiterhin die Brennerroute, wo die Sanierung der Luegbrücke den Verkehr einschränkt“, so Mikulla. Um Staus zu vermeiden, rät die ADAC-Sprecherin zu antizyklischem Reisen: „Sinnvoll sind Fahrten am frühen Morgen oder am Abend.“
Frankfurter Flughafen erwartet neun Millionen Passagiere
Der größte deutsche Flughafen in Frankfurt rechnet vom 26. Juni bis 9. August mit rund neun Millionen Passagieren und etwa 60.000 Flugbewegungen. Allein am ersten Ferienwochenende in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sollen laut Betreiber Fraport etwa 616.000 Reisende abgefertigt werden. Auch am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) steigt das Aufkommen: Vom 8. bis 12. Juli 2026 erwartet der BER rund 400.000 Passagiere. Die verkehrsreichsten Reisetage werden voraussichtlich Freitag, der 10. Juli, sowie zum Ferienende am Freitag und Sonntag, der 21. und 23. August, sein. Der Flughafen Düsseldorf rechnet in der Ferienzeit ab 17. Juli mit insgesamt 3,3 Millionen Passagieren – täglich durchschnittlich 68.000 Fluggäste.
Grenzkontrollen: Längere Wartezeiten durch EES-System
Flughafenbetreiber warnen vor längeren Wartezeiten an der Grenzkontrolle aufgrund des neuen EU-weiten Entry-Exit-Systems (EES), das seit Oktober 2025 die Ein- und Ausreise von Nicht-EU-Bürgern elektronisch erfasst. Fraport empfiehlt Nicht-EU-Reisenden, mindestens drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein, EU-Bürger mit Ziel außerhalb des Schengenraums ebenfalls. Wer innerhalb des Schengenraums reist, sollte zweieinhalb Stunden einplanen, ohne Aufgabegepäck zwei Stunden. Der Düsseldorfer Sprecher hält ein früheres Erscheinen jedoch nicht für sinnvoll: „Früher als drei Stunden vor Abflug am Flughafen einzutreffen, ist wenig sinnvoll, da die Check-in-Schalter der Airlines vorher in der Regel noch geschlossen sind.“ Der BER-Sprecher rät zur Nutzung der automatischen Passkontrolle EasyPass, sofern ein biometrischer Reisepass oder neuer Personalausweis vorliegt.
Zeit sparen mit vorgebuchten Slots und neuen Scannern
An Flughäfen lässt sich Zeit sparen mit vorgebuchten Parkplätzen oder festen Slots bei der Passagier- und Handgepäckkontrolle. In Frankfurt können Reisende im neuen Terminal 3 und in weiten Teilen von Terminal 1 Getränkeflaschen bis zu zwei Litern und elektronische Geräte unausgepackt im Handgepäck lassen – dank neuer Scanner. In Berlin ist dies in den Kontrollbereichen 1 und 5 von Terminal 1 sowie in Terminal 2 möglich. Der BER empfiehlt zudem, über die Flughafen-App Wartezeiten an den Sicherheitskontrollen zu prüfen. „21 Airlines bieten am BER Self-Service-Automaten zur Gepäckaufgabe an, mit denen Reisende deutlich Zeit sparen können“, so der Flughafen-Sprecher.
Deutsche Bahn: Sitzplatzreservierung und Auslastungsanzeige empfohlen
Auch die Deutsche Bahn bereitet sich auf hohes Fahrgastaufkommen vor. Ein Bahn-Sprecher sagte dieser Redaktion: „Wir bitten Fahrgäste um Verständnis, sollte es bei ihrer Reise zu Verzögerungen kommen, und danken unseren Kund:innen vorab für ihre Geduld und die gegenseitige Rücksichtnahme.“ Die Bahn empfiehlt allen Reisenden, einen Sitzplatz zu reservieren und sich vor Reisebeginn über Änderungen oder Verspätungen zu informieren. „Wir empfehlen allen Fahrgästen, die mit einem Ticket ohne Zugbindung reisen, sich vor der Fahrt über die Auslastungsanzeige auf bahn.de und in der App DB Navigator zu informieren. Wer zeitlich flexibel ist, kann bei Bedarf auf einen weniger nachgefragten Zug ausweichen.“
Beliebteste Strecken und Regionalverkehr
Die meisten Fahrgäste im Fernverkehr sind zwischen den großen Metropolen wie Berlin–Hamburg, Berlin–München oder Frankfurt/Main–Köln unterwegs sowie in die klassischen Urlaubsregionen an Nord- und Ostsee oder ins Gebirge. Die reisestärksten Tage sind die Tage zu Beginn und am Ende der Schulferien sowie die Wochenenden. Im Regionalverkehr sind die Nord- und Ostsee sowie die Berge und Mittelgebirge besonders beliebt. „Gerade die Bewohner von Großstädten nutzen Regionalzüge und S-Bahnen, um ohne Stau die Ausflugsziele im Umland zu erreichen“, so der Bahn-Sprecher. Auch für Regionalzüge gibt es Auslastungsanzeigen im DB Navigator und auf bahn.de.



