Sex im Tierreich: Warum Vögel vögeln – und sogar masturbieren
Sex im Tierreich: Warum Vögel vögeln – und masturbieren

Wenn Vögel ihre Kloake an Ästen, Sitzstangen oder anderen Gegenständen reiben, sorgt das oft für Verwunderung. Viele Menschen halten dieses Verhalten für eine Folge von Gefangenschaft oder sogar für eine Verhaltensstörung. Eine neue Studie zeigt jedoch: Die Wahrheit sieht offenbar ganz anders aus.

Überraschendes Ergebnis aus der Vogelwelt

Eine Forschergruppe um Chloe Heys von der University of Lancashire wertete im Rahmen der Studie Daten von 120 Vogelarten aus 22 Vogelordnungen aus. Dafür nutzten sie bereits vorhandene wissenschaftliche Daten sowie Beobachtungen von Vogelhaltern, Züchtern, Tierpflegern und Experten.

Die Wissenschaftler fanden mehr als 200 dokumentierte Fälle von Selbstbefriedigung bei Vögeln. Besonders auffällig: Wildvögel zeigten das Verhalten häufiger als gehaltene Tiere. Damit gerät eine weitverbreitete Annahme ins Wanken. Denn oft wird Selbstbefriedigung bei Vögeln als Folge von Gefangenschaft oder schlechter Haltung angesehen. Die Daten sprechen eher dafür, dass es sich um einen natürlichen Teil des Sexualverhaltens vieler Arten handelt.

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Männchen machen es häufiger – aber nicht nur

Bei Männchen wurde das Verhalten häufiger dokumentiert als bei Weibchen. Trotzdem kam es bei beiden Geschlechtern in vielen Vogelgruppen vor. Außerdem zeigte sich: Arten mit mehreren Paarungspartnern masturbieren eher als sozial monogame Vögel mit langfristigen Bindungen.

Die Forscher vermuten deshalb einen Zusammenhang mit sexueller Erregung oder sogar dem Fortpflanzungserfolg. Denkbar ist etwa, dass Masturbation die Spermienqualität verbessert und damit die Chancen auf eine erfolgreiche Befruchtung erhöht. Für Vogelhalter ist vor allem eine Erkenntnis wichtig: Die Forscher fanden keine Hinweise darauf, dass Selbstbefriedigung unnatürlich oder problematisch ist.

Warum wir „vögeln“ sagen

Passend zum Thema lohnt sich ein Blick auf die Sprache. Das Wort „vögeln“ hat tatsächlich seinen Ursprung bei den gefiederten Namensgebern. Bereits im Mittelhochdeutschen wurde „vogelen“ für die Begattung von Tieren verwendet – besonders von Vögeln. Erst später ging der Begriff auf den menschlichen Geschlechtsverkehr über. Sprachwissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass „vögeln“ ursprünglich ganz wörtlich das Paarungsverhalten von Vögeln beschrieb. Eine oft erzählte Geschichte über heimliche Liebessignale mit Vogelkäfigen gilt dagegen als nicht belegt.

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