Annemieke Kesselaar, die Tochter des 2006 verstorbenen Entertainers Rudi Carrell, hat ihrem Vater rückständige Ansichten zu Geschlechterrollen vorgeworfen. „Ich hatte einen Vater, an dem die Emanzipation vorbeigegangen ist“, sagte Kesselaar der Zeitschrift „Bunte“ anlässlich des 20. Todestages von Carrell. „Seine Lebensvorstellung war: Die Frau sorgt dafür, dass zu Hause alles schön ist – den Rest würde er schon erledigen.“ Carrell habe sich in Bezug auf Frauen als „Jäger und Sammler“ gefühlt.
Carrells Arbeitsbesessenheit und Vaterrolle
Carrell, bürgerlich Rudolf Wijbrand Kesselaar, war bekannt dafür, die Arbeit zur obersten Priorität zu machen. „Natürlich hatte er auch seine Papa-Momente, aber die waren relativ selten“, sagte Kesselaar der „Bild“-Zeitung. „Er war jemand, der immer arbeitete, seine nächste Show über alles stellte. Er hat einfach für das Fernsehen gelebt.“ Die Tochter arbeitete zeitweise als Sketchautorin und Produzentin für ihren Vater, was jedoch nicht mit dessen traditionellem Frauenbild übereinstimmte.
„Im Studio ein widerliches Arschloch“
Carrell selbst hatte einmal über sich gesagt: „Ich bin im Studio ein widerliches Arschloch.“ Wenn die Leute um ihn herum nicht spurten, könne er „zum Teufel werden“. Kesselaar erinnerte sich 2006 in der „Bild“ an eine Szene: „Er hat dann wirklich das ganze Studio zusammengeschissen. Mir war das dann unglaublich peinlich, und ich habe mir immer gedacht, wie kann er nur so mit den Leuten umgehen?“
Carrells Karriere und letzte Jahre
Carrell moderierte unter anderem „Die Rudi Carrell Show“, „Die verflixte 7“ und „Am laufenden Band“. Anfang 2005 erhielt der Niederländer die Diagnose Lungenkrebs, rund anderthalb Jahre später starb er im Alter von 71 Jahren. In dieser Zeit habe sich das Verhältnis zur Tochter gebessert: „Ich merkte, dass er doch mehr von uns Kindern mitgekriegt hatte“, sagte Kesselaar. „Er beobachtete uns genau, wusste, wie wir tickten. Das war sehr versöhnlich.“
Blick auf das heutige Fernsehen
Über das deutsche Fernsehen würde ihr Vater heute wohl nur den Kopf schütteln, so Kesselaar. Große Entertainer und Show-Persönlichkeiten würden ihm fehlen. Eine Ausnahme gebe es für „Let’s Dance“: „Das ist eine Sendung, die er gern moderiert hätte.“



