Neue Höchststände bei politisch motivierter Kriminalität
Deutschland erlebt einen neuen Höchststand bei Extremismus, Hass und politischer Gewalt. Wie die Welt am Sonntag unter Berufung auf Daten der Bundesländer berichtet, registrierten die Behörden im Jahr 2025 mindestens 85.000 politisch motivierte Straftaten. Damit wurde der bisherige Rekord aus dem Jahr 2024 mit 84.172 Fällen übertroffen. Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich die Zahl der politisch motivierten Delikte mehr als verdoppelt.
Die Datengrundlage umfasst Angaben aus 15 Bundesländern; lediglich Rheinland-Pfalz fehlt aufgrund von Verzögerungen nach den Landtagswahlen und dem Wechsel des Innenministers. Dennoch ist der Trend eindeutig: Die politisch motivierte Kriminalität steigt kontinuierlich. Ermittler führen dies auf den polarisierten Bundestagswahlkampf 2025 und internationale Krisen wie den Nahost-Konflikt zurück. Zudem spiele eine höhere Bereitschaft, Straftaten anzuzeigen, eine Rolle – insbesondere Hasskommentare und Beleidigungen von Politikern würden häufiger gemeldet.
Linksextreme Gewalt steigt um 42 Prozent
Die Zahl politisch motivierter Gewalttaten stieg um 1,2 Prozent auf 4.156 Fälle. Darunter fallen Körperverletzung, Brand- und Sprengstoffdelikte sowie Landfriedensbruch. Im vergangenen Jahr richteten sich 121 Angriffe gegen AfD-Funktionäre und Parteimitglieder, während 62 Angriffe Vertreter aller übrigen Parteien zusammen betrafen. In 103 Fällen vermuten die Behörden Täter aus dem linksextremen Spektrum. Gleichzeitig ordnen die Ermittler rund die Hälfte aller Straftaten dem rechten Spektrum zu – das sind mehr als 42.000 Delikte. Rechte Gewalttaten stiegen auf 1.598 Fälle. Linksextreme Straftaten legten laut dem Bericht um rund 35 Prozent auf mehr als 13.000 zu, linksextreme Gewalttaten sogar um 42,6 Prozent auf 1.087 Fälle.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) kommentierte die Entwicklung mit deutlichen Worten: „Wenn Kabel brennen, Züge stehen und der Strom ausfällt, hat das mit Protest nichts mehr zu tun. Das ist kriminell.“
Nahost-Konflikt als häufiges Motiv
Die Länder liefern auch Erkenntnisse über die Motive hinter den Taten. So ordneten die Ermittler knapp 1.900 Fälle einer „religiösen Ideologie“ zu, mehr als 6.000 einer „ausländischen Ideologie“. In Bayern spielte der Nahost-Konflikt in 316 von 599 Fällen eine Rolle, in Sachsen bei rund der Hälfte der Fälle. Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) warnte: „Besonders besorgniserregend ist die wachsende Bereitschaft, politische Auseinandersetzungen nicht mehr mit Argumenten, sondern mit Einschüchterung, Hass und Gewalt auszutragen.“ Auch NRW-Minister Reul zeigte sich alarmiert. Politisch motivierte Kriminalität sei „keine Fußnote mehr, sondern ein Härtetest für unsere Demokratie“.



