Manchmal staune ich selbst darüber, wie sich das Hobby Laufen in meinem Leben entwickelt hat. Und vor allem darüber, welchen Raum es heute im wahrsten Sinne des Wortes einnimmt. Also ganz physisch betrachtet in meiner Wohnung. Denn meine Laufausrüstung ist auf eine Art und Weise gewachsen, die ich vor ein paar Jahren noch für unmöglich gehalten hätte. Ich besitze heute Dinge, von denen ich damals entweder noch nie gehört hatte oder von denen ich gesagt hätte, dass sie vollkommen überflüssig sind. Was mich aber ein wenig beruhigt, ist der Fakt, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht.
Vergleich mit früheren Zeiten
Vor Kurzem ist mir online dieses Video begegnet, in dem die Ausrüstung von Läufern heute mit der Situation vor zehn bis 20 Jahren verglichen wird: Erst ist zu sehen, wie Menschen früher zum Joggen gegangen sind. Mit irgendeinem T-Shirt, irgendeiner kurzen Hose, einem einfachen Paar Sportschuhen. Dann kommt der Vergleich zur aktuellen Situation. Und plötzlich steht dieselbe Person dort mit Trinkweste, einem von Kopf bis Fuß perfekt durchgestylten Laufoutfit, verspiegelter Sonnenbrille und Hightech-Schuhen.
Eigene Entwicklung
Und ich muss gestehen: Eine ähnliche Entwicklung hat das Ganze auch bei mir genommen. Mit der Ausnahme, dass ich nicht immer in Fashionshow-reifen Outfits unterwegs bin, bei denen alles vom Shirt über die Socken bis zu den Schuhen farblich zueinander passt – sonst wäre der Umzug in eine größere Wohnung endgültig notwendig. Aber die große, verspiegelte Sonnenbrille kommt aktuell häufig zum Einsatz. Und die Trinkweste besitzt einen eigenen Bügel an der Garderobe.
Auch der Blick auf die neben der Garderobe aufgereihten Schuhe verrät schnell, dass es sich um einen Läufer-Haushalt handelt. Dort stehen diverse Paare für unterschiedliche Einsatzzwecke. Seit einigen Wochen besitze ich nun, dank Gewinnspielglück, auch noch Schuhe mit einer Kunststoffplatte in der Sohle. Diese wird dadurch versteift, was beim Abdruck wiederum mehr Vortrieb geben soll. Im Rennen bin ich so hoffentlich ein paar Sekunden schneller – und ich bilde mir ein, dass das Ganze auch tatsächlich funktioniert.
Küchenschränke voller Sportnahrung
In meinen Küchenschränken finden sich ebenfalls unmissverständliche Hinweise auf mein Hobby. Salztabletten stehen neben „Aminopulver“, das bei der Regeneration nach dem Training helfen soll, indem es den Körper mit essenziellen Aminosäuren versorgt. Eine Schublade weiter finden sich Softflasks, also weiche, faltbare Trinkflaschen, in unterschiedlichen Größen. Und natürlich dürfen auch Kohlenhydrat-Gels in verschiedenen Geschmacksrichtungen nicht fehlen. Günstig ist das alles nicht, weshalb man als Läufer auch schnell zum Schnäppchenjäger wird.
Natürlich stellt sich die Frage: Braucht man das alles? Und die ehrliche Antwort wäre wohl: Sicherlich nicht. Auch wenn ich behaupten würde, bislang keinen Gegenstand gekauft zu haben, von dem ich im Nachhinein festgestellt habe, dass er vollkommen unnötig ist. Und mich begeistert auch schlicht der wissenschaftliche Fortschritt und dass immer neue Wege gesucht und gefunden werden, um Leistung und Erholung zu optimieren. Und ohne die Forschungserkenntnisse und darauf basierenden Produkte wären viele der aktuellen Rekorde im Laufsport wohl nicht möglich gewesen.
Unkompliziertes Laufen bleibt möglich
Natürlich ist es bei mir, anders als im Profisport, in Wahrheit nebensächlich, ob ich im Rennen ein paar Sekunden schneller oder langsamer laufe. Trotzdem glaube ich, dass nicht nur die Elite von neuen Schuh-Entwicklungen oder einer besseren Verpflegung vor, während und nach dem Lauf profitieren kann. Und werde deshalb, gerade im Sommer, weiterhin mit meiner bepackten Weste losziehen. Selbst wenn sie den Anschein erweckt, ich würde mich auf einen Ultralauf durch die Wüste vorbereiten.
Auf der anderen Seite genieße ich aber auch die kurzen Läufe, bei denen all das nicht nötig ist. Bei denen es reicht, sich nur T-Shirt, Hose, Socken, Schuhe anzuziehen und einfach loszulaufen. Weil ich dann wieder merke: Bei aller (berechtigter) Hightech-Gadgets kann dieser Sport auch heute noch herrlich unkompliziert sein.



