Leo-Baeck-Preis für Nuhr: Zentralrat kritisiert Medien-Doppelstandards
Leo-Baeck-Preis: Nuhr entlarvt Medien-Doppelstandards

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat dem Kabarettisten Dieter Nuhr den Leo-Baeck-Preis verliehen. Es ist das erste Mal, dass diese Auszeichnung an einen Komiker geht. Bei der Preisverleihung in Berlin äußerte Zentralratspräsident Josef Schuster scharfe Kritik an den deutschen Medien. Er warf ihnen vor, antisemitische Narrative und Doppelstandards im Umgang mit Israel und dem Judentum zu verbreiten.

Schuster lobt Nuhrs Mut

Schuster betonte, Nuhr decke diese Doppelstandards konsequent auf – auch bei Kollegen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. „In einer Zeit, in der der Antisemitismus eine Normalisierung erfährt, stehen Sie an der Seite der jüdischen Gemeinschaft – hier in Deutschland genauso wie in Israel“, sagte Schuster. Deshalb sei Nuhr ein würdiger Träger des höchsten Preises, den der Zentralrat zu vergeben habe. Schuster fügte hinzu: „Ich bin überzeugt, dass sie auch in Zukunft ihren Kolleginnen und Kollegen den Spiegel vorhalten, wenn Doppelstandards und antisemitische Stereotype repliziert werden, im öffentlich-rechtlichen Rundfunk und in der Medienbranche, in der Kulturszene und im Kabarett.“

Laudator Mansour: „Das Selbstverständliche außergewöhnlich“

Der aus Israel stammende muslimische Autor Ahmed Mansour würdigte in seiner Laudatio Nuhrs Courage. Er habe den Mut, das auszusprechen, was viele dächten, aber sich nicht zu sagen trauten. Mit seiner ARD-Sendung betreibe Nuhr eine Art Therapie für eine kaputte Debattenkultur. Mansour erklärte: „Wir stehen heute hier, weil das Selbstverständliche außergewöhnlich geworden ist. Das ist die eigentliche Nachricht dieses Abends, und sie ist verdammt bitter.“ Nuhrs Verdienst sei es, Antisemitismus auch dort zu benennen, wo es weh tue – auf der politischen Linken.

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Nuhr: Linker Antisemitismus hat Tradition

In seiner Dankesrede zeigte sich Nuhr verstört darüber, dass Antisemitismus nicht nur bei Rechtsextremen, sondern auch unter Linken und Kulturschaffenden gefühlt eher die Regel als die Ausnahme sei. „Ein Großteil derer, die sich als Antifaschisten bezeichnen, sind gar keine“, sagte der 65-Jährige. „Linker Antisemitismus hat in Deutschland Tradition, es ist nur früher nicht aufgefallen.“ Er fügte hinzu: „Der Irrsinn ist heute nicht mehr rechts oder links. Er ist gerecht verteilt.“ Nuhr beklagte eine Unfähigkeit, selbst zu denken: „Wir erleben heute wieder, dass Menschen mitlaufen, sich offensichtlich gedankenlos einfügen in eine sich moralisch überlegen fühlende Menge. Und genau da entsteht der Raum, in dem sich das Böse entfaltet.“

Der Leo-Baeck-Preis

Die Auszeichnung erinnert an den Rabbiner Leo Baeck (1873–1956). Frühere Preisträger sind unter anderem die Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, Roman Herzog und Christian Wulff sowie die frühere Kanzlerin Angela Merkel. Der seit 1957 vergebene Preis ist mit 15.000 Euro dotiert.

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