Kuh-Attacke beim Wandern: DAV-Experte warnt vor diesen Fehlern
Kuh-Attacke beim Wandern: DAV-Experte warnt vor Fehlern

Ein erfahrener Trailrunner des Deutschen Alpenvereins (DAV) wurde im Stubaital von einer Kuh mit den Hörnern hochgehoben – und überlebte nur mit einem blauen Fleck. Doch nicht jeder kommt so glimpflich davon: Im Mai 2026 starb eine 67-jährige Wanderin in Österreich nach einer Attacke durch eine Kuhherde, ihr Mann wurde schwer verletzt. Der DAV und die Landwirtschaftskammer Tirol warnen vor typischen Fehlern und geben klare Verhaltensregeln.

Der Unfall: „Die Kuh hob mich mit den Hörnern hoch“

Hauke Bendt, 46, arbeitet beim DAV in München und ist erfahrener Trailrunner. Bei einem Wettkampf im Stubaital lief er einen schmalen Pfad entlang, unterhalb graste eine Kuhherde. Eine Familie mit zwei Mädchen kam ihm entgegen, als eine Kuh auf den Pfad trat. Die Mädchen blieben aus Angst stehen. Bendt rief ihnen zu: „Ihr braucht keine Angst zu haben“ – und stellte sich zwischen Familie und Kuh, um seine Souveränität zu demonstrieren. „Die Kuh hat ihren Kopf gesenkt und mich mit ihren Hörnern hochgehoben“, erinnert sich Bendt. Das Tier setzte ihn kurz darauf wieder ab. Er trug nur einen blauen Fleck in der Seite davon und setzte sein Rennen fort.

„Ich habe die Situation komplett unterschätzt“, sagt Bendt rückblickend. Er habe vor Tieren keine große Angst und Kühe in der Vergangenheit öfter beiseitegeschoben. „Ich war mir der Gefahr nicht wirklich bewusst.“ Von einer Kuh auf die Hörner genommen zu werden, habe er „nicht vergessen“. Mittlerweile begegne er den Tieren mit mehr Respekt.

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Warum die Zahl der Zwischenfälle steigt

Josef Hechenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol und selbst Rinderhalter, betont: „Kühe sind sehr friedliche, ruhige Tiere.“ Dennoch beobachtet er, dass „die Anzahl der Zwischenfälle mit Weidevieh in den vergangenen Jahren zugenommen hat“ – allerdings nicht im selben Maße wie die Zahl der Wanderer. Die Statistik des Landes Tirol zeigt, dass die Übernachtungen seit der Jahrtausendwende (mit Ausnahme der Coronajahre) stetig gestiegen sind. Mehr Urlaubsgäste bedeuten mehr Begegnungen und damit auch mehr Unfälle.

Seit 2014 gibt die Landwirtschaftskammer Tirol in Zusammenarbeit mit Hotels und Wirtschaftsbetrieben Verhaltensregeln für Wanderer heraus. Auslöser war der Tod eines Wanderers durch eine Kuh. Ziel ist es, „alles zu unternehmen, damit die Anzahl der Unfälle niedrig bleibt“, so Hechenberger.

Die wichtigsten Verhaltensregeln

  • Abstand halten: Wanderer sollten größtmöglichen Abstand zum Weidevieh einhalten und auf den Wegen bleiben.
  • Nicht füttern oder fotografieren: Kühe sollten weder gefüttert noch für Fotos bedrängt werden.
  • Hunde anleinen: Hunde werden von Kühen schnell als Gefahr wahrgenommen – besonders seit der Rückkehr des Wolfs in Europa reagieren Kühe sensibler. Greift eine Kuh einen Hund an, sollte der Hund von der Leine gelassen werden, um den Besitzer zu schützen.
  • Vorsicht bei Mutterkühen: Mutterkühe haben einen „intensiven Schutzinstinkt“ gegenüber ihren Kälbern. Werden Kälber gesichtet, sollten Wanderer besonders vorsichtig sein oder die Route abbrechen.
  • Aggressionssignale erkennen: Ein gehobener Kopf und spitze Ohren zeigen, dass eine Kuh aggressiv ist. Dann sollten Wanderer die Weide zügig, aber ohne dem Tier den Rücken zuzukehren, verlassen.

Weideflächen als Wirtschaftsraum

Hechenberger betont, dass Weideflächen für Landwirte in den Alpen ein „wichtiger Wirtschaftsraum“ sind. Touristen sollen die Natur genießen können, aber auch die Kühe in Ruhe grasen lassen. Die Regeln sollen helfen, Konflikte zu vermeiden und die Sicherheit aller zu gewährleisten.

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