Körperliche Übergriffe in Kulturbranche nehmen zu: Themis verzeichnet Anstieg
Körperliche Übergriffe in Kulturbranche nehmen zu

Die Zahl der körperlichen Übergriffe in der Kulturbranche hat laut der Vertrauensstelle Themis im vergangenen Jahr zugenommen. Für 2025 registrierte die Anlaufstelle unter ihren Erstkontakten 68 Fälle von körperlicher Belästigung oder Vergewaltigung, wie die Organisation mitteilte. Im Jahr zuvor waren es 61 Fälle gewesen. Gleichzeitig ging die Zahl der gemeldeten verbalen Belästigungen zurück: von 68 Fällen im Jahr 2024 auf 37 im Jahr 2025.

Mehr Beratungen insgesamt

Themis, benannt nach der griechischen Göttin der Gerechtigkeit, wurde 2018 in Berlin nach der #MeToo-Debatte gegründet. Sie bietet Menschen aus Film, Fernsehen, Theater, Orchestern und der Musikbranche kostenlose juristische und psychologische Unterstützung bei sexueller Belästigung oder Gewalt. Im vergangenen Jahr führten die Expertinnen und Experten mehr als 600 Beratungsgespräche, darunter 105 Erstberatungen. In den ersten drei Monaten des Jahres 2026 suchten bereits 20 Betroffene wegen körperlicher Übergriffe Hilfe.

Veränderung des Verhältnisses

Themis-Präsidentin Martina Zöllner betonte gegenüber der „Zeit“, dass sich das Verhältnis von körperlichen zu nicht körperlichen Übergriffen verändert habe. „Das mag ein Spiegel der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung sein“, sagte sie. Die geschäftsführende Vorständin Maren Lansink sieht mehrere Gründe für den Anstieg. Das gesellschaftliche Klima habe sich verschärft, Frauenfeindlichkeit sei online wie offline enthemmter geworden und schlage sich im Arbeitsalltag nieder. Zudem seien die Strukturen in der Branche mit hohen Abhängigkeiten und enger körperlicher Nähe an Sets „unverändert ein Nährboden für Übergriffe“. Auch trauten sich jüngere Betroffene heute eher, körperliche Übergriffe als das zu benennen, was sie seien, so Lansink.

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Träger und Unterstützer

Die Vertrauensstelle wird von mehreren Branchenverbänden und Sendern getragen. Sie bietet Betroffenen eine vertrauliche Anlaufstelle, um sexuelle Belästigung und Gewalt zu melden und Unterstützung zu erhalten. Der Anstieg der körperlichen Übergriffe zeigt laut Themis, dass weiterhin Handlungsbedarf in der Kulturbranche besteht.

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