Am Helmholtzplatz in Berlin-Prenzlauer Berg steht eine Entscheidung an, die das Leben im Kiez grundlegend verändern könnte: Der Bezirk Pankow erwägt, das Gebiet offiziell zum „Ausgehviertel“ zu erklären. Für eine gebürtige Berlinerin, die seit 20 Jahren in der Nähe des Platzes wohnt, wäre dies der endgültige Beweis, dass die Bedürfnisse der Anwohner hinter den kommerziellen Interessen der Gastronomie zurückstehen. Im Interview mit dem Tagesspiegel schildert sie ihre Situation: „Die Außengastronomie dominiert alles – ich fühle mich wie ein Eindringling im eigenen Kiez.“
Lärm und Müll: Der Alltag am Helmholtzplatz
Die Anwohnerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, beschreibt den täglichen Lärmpegel, der von den zahlreichen Bars und Restaurants mit Außenbereichen ausgeht. „Es ist nicht nur abends laut, sondern oft schon ab mittags. Die Musik dröhnt, die Leute unterhalten sich laut – und das an sieben Tagen in der Woche“, sagt sie. Besonders belastend sei, dass die Außengastronomie in den wärmeren Monaten fast den gesamten öffentlichen Raum vereinnahme. „Ich kann mein Fenster nicht mehr öffnen, ohne dass der Lärm hereinströmt. Die Lebensnormalität geht verloren.“
Die Pläne des Bezirks: Was bedeutet „Ausgehviertel“?
Die Bezirksverordnetenversammlung Pankow hatte im vergangenen Jahr beschlossen, die Möglichkeit der Ausweisung von „Ausgehvierteln“ zu prüfen. Ziel ist es, in besonders frequentierten Gebieten wie dem Helmholtzplatz klare Regeln für Lärm und Nutzung zu schaffen. Nach den Plänen könnten Außenflächen von Gastronomiebetrieben in solchen Vierteln länger geöffnet bleiben und höhere Lärmpegel toleriert werden. Für die Anwohner bedeutet dies faktisch eine Verschlechterung ihrer Wohnqualität. „Wir haben das Gefühl, dass die Politik die Interessen der Wirte über die der Bewohner stellt“, kritisiert die gebürtige Berlinerin.
„Ich fühle mich fremd im eigenen Kiez“
Die Frau, die im Stadtteil aufgewachsen ist, beobachtet mit Sorge, wie sich ihr Kiez verändert. „Früher war der Helmholtzplatz ein Ort, an dem sich alle getroffen haben – Familien, Kinder, alte Leute. Jetzt ist er eine große Partyzone geworden.“ Sie selbst meide den Platz inzwischen. „Wenn ich abends nach Hause komme, gehe ich schnell durch, um nicht von betrunkenen Gästen angesprochen zu werden. Ich fühle mich wie ein Eindringling.“
Konflikte zwischen Anwohnern und Gastronomen
Die Spannungen zwischen den Bewohnern und den Gastronomen sind nicht neu. Immer wieder kam es zu Beschwerden über Lärmbelästigung, Müll und nächtliche Ruhestörungen. Eine Anwohnerinitiative fordert daher eine Begrenzung der Außengastronomie und strengere Kontrollen. „Wir wollen nicht, dass der Helmholtzplatz zu einer reinen Vergnügungsmeile wird“, sagt ein Sprecher der Initiative. Die Gastronomen hingegen verweisen auf die wirtschaftliche Bedeutung ihrer Betriebe und die hohe Nachfrage nach Außenplätzen.
Die Entscheidung des Bezirks steht noch aus
Der Bezirk Pankow will die Ausweisung des Helmholtzplatzes als „Ausgehviertel“ noch in diesem Jahr prüfen. Dabei sollen alle Interessen abgewogen werden – die der Anwohner, der Gastronomen und der Besucher. Die gebürtige Berlinerin hofft auf ein Umdenken: „Ich wünsche mir, dass die Politik erkennt, dass ein Kiez nicht nur aus Kneipen besteht. Wir brauchen Orte zum Leben, nicht nur zum Feiern.“ Die Entscheidung wird mit Spannung erwartet, denn sie könnte Signalwirkung für andere betroffene Viertel in Berlin haben.



