Berliner mit tropischen Wurzeln teilen ihre Hitzestrategien
Extreme Hitze in Berlin – und kein Ende in Sicht: Wie hält man das bloß aus? Wir haben fünf Berlinerinnen und Berliner gefragt, die Erfahrungen mit hohen Temperaturen haben. Schon morgens verschwitzt aufwachen, an jeder Bushaltestelle Schatten suchen und kreativ mit Hitze umgehen: Für Menschen in tropischen Ländern gehört das meist zum Alltag. Zum Glück leben auch in Berlin viele Menschen, die in den heißesten Gegenden der Welt aufgewachsen sind oder dort Familie haben. Vielleicht haben sie ja die besten Tipps, wie man es bei Temperaturen von möglicherweise bis zu 40 Grad aushält?
Gaming in klimatisierten Elektronikmärkten
Sabia Thakur ist 29 Jahre alt, stammt aus Mumbai in Indien und lebt seit 2023 in Berlin. Wenn es in Mumbai besonders heiß wurde, verbrachte der Content Creator seine Tage in klimatisierten Räumen – vor allem in Einkaufszentren und Geschäften. Nach drei Jahren in Berlin hat er den perfekten Zeitvertreib für heiße Tage gefunden – und der hat nichts mit einem kühlen Badesee zu tun.
„In einigen Elektronikmärkten gibt es Gaming-Bereiche, in denen man kostenlos Videospiele spielen kann. Dort stehen bequeme Sessel, große Fernseher und die Klimaanlage läuft auf Hochtouren. Ich gehe mit Freunden dorthin und verbringe dort oft mehrere Stunden“, erzählt er. Zu Hause versucht er dann, die Wohnung kühl zu halten. „Es ist sehr schwierig, in Berlin eine Wohnung mit Klimaanlage zu haben. Ich schlafe mit offenen Fenstern, einem Ventilator und ohne Kleidung“, sagt er.
Luftzug nutzen und lockere Kleidung tragen
Die 23-jährige Azulan Lani Nguyen ist in Berlin aufgewachsen und hat familiäre Wurzeln in Vietnam. Dort könne die Hitze zeitweise „unerträglich“ werden, sagt sie. Zwar vertrage sie hohe Temperaturen recht gut, doch Menschen, die daran nicht gewöhnt seien, sollten vor allem auf eines achten: Luftzirkulation.
„Weniger Kleidung tragen, die Haare zusammenbinden und die Wärme einfach akzeptieren. Das sind wir hier nicht so gewohnt. Der Trick besteht darin, den Wind über den Körper strömen zu lassen. Deshalb sollte man lockere, leichte und luftige Kleidung tragen“, empfiehlt die junge Frau. Wenn das nicht ausreicht, hat sie noch einen Tipp: „Mini-Ventilatoren helfen enorm. Wir nutzen einen am Kinderwagen meiner einjährigen Nichte, und eigentlich hat jeder in der Familie seinen eigenen. Das macht die Hitze deutlich erträglicher.“
In der Natur nach kühlen Rückzugsorten suchen
Im Nordosten Brasiliens sind mehrere Tage mit Temperaturen von über 40 Grad keine Seltenheit. Die Künstlerin Beatriz Ferreira stammt aus dieser Region und lebt seit einem Jahr in Berlin. Ihrer Meinung nach liegt der größte Unterschied zwischen den beiden Gegenden nicht in der Hitze selbst, sondern im Zugang zu Orten in der Natur, an denen man sich abkühlen kann.
„In Bahia haben wir mehr Möglichkeiten, der Hitze in der Natur zu entkommen. Man kann leicht an den Strand, an einen Fluss oder an einen See fahren. Berlin ist zwar ebenfalls eine Stadt mit vielen Seen, aber sie sind oft weiter entfernt“, sagt sie. Wie können Berlinerinnen und Berliner also mit den hohen Temperaturen umgehen? Für Ferreira beginnt alles mit der eigenen Einstellung. „Zunächst muss man die Hitze akzeptieren, statt gegen sie anzukämpfen. Danach kann man nach Möglichkeiten suchen, sich abzukühlen. Für mich liegt das Geheimnis darin, die Natur zu genießen. Wenn man sich im Sommer mit lebendigen Dingen umgibt – mit Bäumen, Grünflächen und Seen –, fühlt man sich erfrischt und gestärkt“, sagt die Brasilianerin.
Die Hitze gar nicht erst in die Wohnung lassen
Für den Gitarristen Fernando Sotto sind die aktuellen Temperaturen in Berlin noch vergleichsweise mild. Er stammt aus Puerto Vallarta in Mexiko und hat in seinem Leben schon deutlich stärkere Hitze erlebt. Seit 25 Jahren lebt der 54-Jährige in Berlin und genießt die Sommermonate in der Stadt.
„Mein wichtigster Tipp ist, in allen Räumen dunkle Vorhänge zu verwenden und die direkte Sonneneinstrahlung draußen zu halten. Wenn es sehr heiß ist, sollte man außerdem vermeiden, in den heißesten Stunden des Nachmittags nach draußen zu gehen“, sagt er.
Erst nach Sonnenuntergang nach draußen gehen
Am vergangenen Dienstag ging Bryan Godwin ins Fitnessstudio, ohne zu ahnen, wie warm es in der Stadt noch immer war. Die Höchsttemperatur lag bei 29 Grad – für jemanden aus Lagos eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch im Berliner Fitnessstudio fühlte sich die Hitze deutlich intensiver an. Die Klimaanlage kam gegen die vielen Menschen und die hohe Luftfeuchtigkeit nicht an.
„Es gibt zwar eine Klimaanlage, aber das Studio ist voll, und alle schwitzen“, erzählt er. „Als ich nach draußen ging, musste ich erst einmal frische Luft schnappen und neue Energie tanken. Das werde ich wohl öfter machen müssen – kurz rausgehen, durchatmen und dann mit dem Training weitermachen.“ Im Alltag setzt er auf eine einfache Strategie, um mit der Hitze umzugehen: „Am besten geht man erst raus, wenn die Sonne tiefer steht und die Luft kühler wird. Ab etwa 19 Uhr wird es hier deutlich angenehmer“, sagt er.



