Geplatzte Auswanderungsträume: Deutsche in der Schweiz enttäuscht
Geplatzte Auswanderungsträume: Deutsche in der Schweiz

Geplatzte Auswanderungsträume: „In der Schweiz fühlte ich mich wie ein Mensch zweiter Klasse“

Die Schweiz ist das beliebteste Auswanderungsziel der Deutschen. Viele gehen aber wieder: wegen hoher Kosten, Einsamkeit und Deutschenfeindlichkeit. Doch die Rückkehr ist oft nicht leicht. Von Maja Sommerhalder

Voller Vorfreude ging Fiona Kohl aus Düsseldorf zum Studieren in die Schweiz. Viele deutsche Studierende möchten die Alpenrepublik nicht mehr verlassen, schrieb kürzlich Sabine Rennefanz im Tagesspiegel. Sie empfinden Deutschland als innovationsfeindlich und blockiert – alles gehe den Bach runter.

Doch die Realität sieht für viele anders aus. Fiona Kohl berichtet von hohen Lebenshaltungskosten, die ihr Studium erschwerten. Die Mieten in Städten wie Zürich oder Genf seien extrem hoch, und das Essen im Restaurant sei ein Luxus, den sie sich kaum leisten konnte. Hinzu komme ein Gefühl der Einsamkeit: „Ich hatte Schwierigkeiten, Anschluss zu finden. Die Schweizer sind freundlich, aber distanziert.“

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Besonders schmerzhaft sei die Erfahrung von Deutschenfeindlichkeit gewesen. „In der Schweiz fühlte ich mich wie ein Mensch zweiter Klasse“, sagt sie. Manche Kollegen hätten abfällige Bemerkungen über Deutsche gemacht, und sie habe das Gefühl gehabt, sich ständig rechtfertigen zu müssen. Nach zwei Jahren brach sie ihr Studium ab und kehrte nach Deutschland zurück.

Die Rückkehr gestaltete sich schwierig. Sie fühlte sich entwurzelt und musste sich erst wieder an das Leben in Deutschland gewöhnen. „Ich hatte das Gefühl, gescheitert zu sein“, sagt sie. Viele Rückkehrer berichten von ähnlichen Problemen: Sie hätten Schwierigkeiten, wieder einen Job zu finden, und fühlten sich von Freunden und Familie entfremdet.

Experten bestätigen, dass die Rückkehr nach einer Auswanderung oft unterschätzt wird. „Die Menschen idealisieren die Schweiz und unterschätzen die kulturellen Unterschiede“, sagt Migrationsforscher Dr. Klaus Müller. „Die hohen Kosten und die soziale Isolation sind häufige Gründe für eine Rückkehr.“

Fiona Kohl hat inzwischen ihren Frieden mit der Entscheidung gemacht. Sie studiert nun in Deutschland und ist froh, wieder in der Heimat zu sein. „Ich habe gelernt, dass die Schweiz nicht das Paradies ist, das viele sich vorstellen“, sagt sie. „Aber ich bereue die Erfahrung nicht – sie hat mich wachsen lassen.“

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