Finnwal vor Île de Ré: Pragmatisches Vorgehen der französischen Behörden
Vor der westfranzösischen Insel Île de Ré strandete ein Finnwal und verendete kurz darauf. Die örtlichen Behörden ließen den Kadaver des 15 Tonnen schweren Tieres bereits am darauffolgenden Tag abtransportieren. Dieses Vorgehen unterscheidet sich deutlich von der aufwendigen Rettungsaktion für den Buckelwal „Timmy“ in Deutschland.
Unterschiedliche Strategien bei Walstrandungen
Während in Deutschland der in der Ostsee gestrandete Buckelwal „Timmy“ mit Baggern freigeschaufelt, durch Lärm und Schlauchboot-Barrieren zum Weiterschwimmen animiert und schließlich per Lastkahn nach Dänemark transportiert wurde, verfolgen Dänemark und Frankreich einen pragmatischeren Ansatz. In Dänemark wird der Natur meist freier Lauf gelassen, und es werden grundsätzlich keine Rettungsversuche unternommen, es sei denn, Forschungseinrichtungen haben Interesse an einer Obduktion. Frankreich handelte nun ähnlich lösungsorientiert.
Ablauf der Strandung auf Île de Ré
Der Finnwal wurde am späten Freitagabend in Küstennähe gesichtet und strandete noch vor Einbruch der Dunkelheit lebend, bevor er in der Nacht verendete. Ein Experte erklärte, dass mitten in der Nacht keine Hilfe mehr möglich gewesen sei. Bereits am Samstagabend wurde der Kadaver mit einem Kran auf einen Lkw-Anhänger gehoben und abtransportiert. Die Nachrichtenagentur AFP und die französische Tageszeitung „Le Monde“ berichteten über den Vorfall.
Ein außergewöhnliches Ereignis
Der Koordinator des französischen Strandungsnetzwerks, Jean-Roch Meslin, betonte, dass es sich um ein „außergewöhnliches Ereignis“ handele. Nach Anspülungen von Finnwalen in den Jahren 1920 und 2017 sei dies erst die dritte Strandung dieser Art auf der Île de Ré. Das Tier soll nach dem Abtransport obduziert werden, um die Ursache der Strandung zu ermitteln. Wo und wann die Nekropsie stattfindet, ist noch unklar.
Vergleich mit der Obduktion von „Timmy“
Im Gegensatz zur geplanten Obduktion von „Timmy“ am Anholter Strand, die großes öffentliches und mediales Interesse weckt, dürfte die Finnwal-Autopsie weniger Beachtung finden. Die unterschiedlichen Herangehensweisen zeigen die kulturellen Unterschiede im Umgang mit gestrandeten Walen in Europa.



