Collien Fernandes wirft Ulmen Täterstrategie vor: Morddrohungen
Collien Fernandes: Ulmens Strategie gefährdet mein Leben

Collien Fernandes hat ihrem Ex-Mann Christian Ulmen und dessen Anwälten vorgeworfen, mit einer „Täterstrategie“ bewusst Morddrohungen gegen sie zu riskieren. „Was ist denn, wenn mir irgendwann so ein Christian-Ulmen-Ultra eine Kugel in den Kopf jagt?“, sagte Fernandes am Sonntagabend beim Tagesspiegel-Hauptstadtgespräch im Deutschen Theater in Berlin. Sie kritisierte, dass Ulmens Anwälte Nebenaspekte der Berichterstattung über ihren Fall bestritten, um den Eindruck zu erwecken, ihre Aussagen stünden grundsätzlich infrage. „Fakt ist: Das, was passiert ist, ist passiert“, betonte Fernandes.

Vorwürfe im Detail: Fake-Profile und physische Gewalt

In dem 90-minütigen Gespräch mit Tagesspiegel-Chefredakteur Christian Tretbar und der stellvertretenden Chefredakteurin Laura Himmelreich unter dem Titel „Der Preis des Muts“ erneuerte Fernandes ihre Vorwürfe detailliert. Ulmen habe in sozialen Netzwerken täuschend echte Fake-Profile unter ihrem Namen angelegt und über diese Accounts Chats mit sexuellen Inhalten geführt. Zudem sei es 2023 auf Mallorca zu einem Vorfall physischer Gewalt gekommen. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt dazu. Ulmen ließ über seinen Anwalt mitteilen: „Es kam zu keinerlei einseitigen Gewalthandlungen und/oder Bedrohungen.“ Auch Fernandes sei wegen körperlicher Gewalt an ihm vorübergehend festgenommen worden.

Justizkritik und Gesetzeslücke bei Deepfakes

Fernandes kritisierte die deutsche Justiz scharf: „Auf dem Gebiet der digitalen Gewalt gibt es eine Lücke im Strafrecht.“ Pornografische Deepfakes stellen derzeit keinen expliziten Straftatbestand dar. Sie setzt sich seit Langem für eine „nationale Strategie gegen männliche und digitale Gewalt“ ein und war kürzlich im Bundestag, um eine entsprechende Petition zu unterstützen. Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) hatte im April einen Gesetzentwurf gegen digitale Gewalt vorgelegt. Aufgrund des laufenden Verfahrens gegen Ulmen gebe es derzeit jedoch keinen direkten Kontakt mehr zur Ministerin, so Fernandes. Sie befürchtet, dass ihr Fall mangels spezifischer Strafnormen eingestellt werden könnte, was die Täterseite instrumentalisieren würde: „Das macht mir Angst.“

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Emotionale Bilanz: Ohnmacht, Panikattacken und Wut als Antrieb

Fernandes berichtete von dunklen Momenten: „Ich verspüre oft eine Ohnmacht, liege tagelang im Bett oder habe Panikattacken.“ Die Wut versuche sie jedoch in positive Energie umzuwandeln. „Wenn die Wut dann wieder da ist, versuche ich, die in etwas zu münzen, das hoffentlich Positives bewirken kann.“ Als Ablenkung diene ihr das Heimwerken: „Manchmal hilft es, einfach mal einen Hammer in die Hand zu nehmen.“ Sie renoviere derzeit ein altes Haus. Auf dem Weg zum Bundestag habe sie kürzlich grünen Lack aus ihren Haaren entfernt.

Reaktionen und Standing Ovations

Der große Saal des Deutschen Theaters war trotz hoher Temperaturen voll. Fernandes erhielt immer wieder Zwischenapplaus und schließlich Standing Ovations. Chefredakteur Tretbar betonte in seiner Anmoderation: „Für Christian Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Das hier ganz klar zu sagen, ist unsere journalistische Pflicht. Und es ist ein Grundprinzip des Rechtsstaats.“

Auswirkungen der Berichterstattung

Der Fall war im März durch eine „Spiegel“-Recherche öffentlich geworden. Das Hamburger Oberlandesgericht entschied kürzlich, dass die Berichterstattung im Kern zulässig sei, aber nicht der Verdacht erweckt werden dürfe, Ulmen habe Deepfake-Videos selbst hergestellt oder verbreitet. Deepfake-Fotos jedoch schon. Ulmens Anwälte sprachen von „Vorverurteilung“ und einer „an Hysterie grenzenden Folgeberichterstattung“. Fernandes sieht darin einen Affront: „Die Hassnachrichten werden wieder mehr, die Morddrohungen werden wieder mehr.“ Sie kritisierte, dass einige Medienberichte sich so läsen, als sei an ihren Vorwürfen nichts mehr dran. „Als wären die Leute nur deshalb auf die Straße gegangen, weil sie dachten, dieses Video, wo ich spermaverschmiert am Boden liege, hat der selber hergestellt.“

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Kontakt zu Ulmen und Forderung nach neuem Selbstverständnis

Fernandes hat inzwischen wieder direkten Kontakt zu Ulmen. „Ich bin wirklich erstaunt darüber, wie wenig man das sehen kann, was man getan hat“, sagte sie. Würde Ulmen sich schämen oder die Schuld sehen, würde er anders reagieren. Sie wünsche sich, dass es irgendwann selbstverständlich werde, Täter nicht zu schützen. „Wir müssen ein neues Selbstverständnis lernen, dass nicht das Opfer die Familie zerstört, sondern der Täter.“ An positive Aspekte ihrer Ehe könne sie derzeit nicht denken, lieber wolle sie neue schöne Erinnerungen schaffen.