Bettina Böttinger wird 70 – Feier auf nächstes Jahr verschoben
Bettina Böttinger wird 70 – Feier auf 2027 verschoben

Bettina Böttinger, bekannt als langjährige Moderatorin des „Kölner Treffs“, wird am Samstag, den 4. Juli, 70 Jahre alt – doch die große Feier fällt aus. Die Party wird auf das Jahr 2027 verschoben, da ihre Frau Martina an Krebs erkrankt ist und zudem eine enge Freundin kürzlich verstarb. „Da habe ich mich gefragt: Habe ich jetzt wirklich Lust zu feiern?“, erklärt Böttinger. Stattdessen wird der Geburtstag im kleinen Kreis mit drei oder vier Freundinnen in ihrem Haus in der Eifel begangen. Einen Tag später, am 5. Juli, nimmt sie an der CSD-Parade in Köln teil – „wahrscheinlich ein bisschen verkatert“.

Vom „Kölner Treff“ zum Podcast

Vor drei Jahren gab Böttinger die Moderation des „Kölner Treffs“ auf, den sie 17 Jahre lang präsentierte. Eigentlich sollte danach ein entspannteres Leben beginnen, doch sie moderiert weiterhin viele Veranstaltungen. „Ich bin einfach gern auf einer Bühne und liebe es, mit dem Publikum zu agieren“, sagt sie. Ihr Hauptaugenmerk liegt nun auf dem Podcast „Zwischen den Zeilen“, in dem sie mit Prominenten wie Hape Kerkeling, Annette Dittert und Markus Söder spricht – mindestens eine Stunde lang. „Das eröffnet dann schon andere Möglichkeiten.“

Rückblick auf „B trifft…“

Ihre wichtigste Sendung neben dem „Kölner Treff“ war das Format „B trifft…“. „Wir waren damals mit die Ersten, die Leute eingeladen haben, die sonst durchs mediale Raster gefallen sind. Menschen, die HIV-positiv waren. Queere Menschen, wobei es den Begriff noch gar nicht gab. Darauf werde ich heute immer noch angesprochen, und das ist ein gutes Gefühl.“ Böttinger ist überzeugt, mit ihren Sendungen einen kleinen Beitrag zu einer offeneren und bunteren Gesellschaft geleistet zu haben – auch wenn die AfD aktuell auf die 30-Prozent-Marke zusteuert. „Ich fand die deutsche Gesellschaft in den 70er Jahren noch viel rigider und verklemmter“, erinnert sie sich. „Der Alltag sah aber noch ganz anders aus, ich habe das ja erlebt als junge lesbische Frau.“

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Kampf gegen Rechts und persönliche Herausforderungen

Die Moderatorin zeigt sich besorgt über den Rechtsruck: „Die AfD hat ein Menschenbild unters Volk gebracht, das ich sehr gefährlich finde. Gewalt gerade gegen homosexuelle Paare nimmt zu, auch gegen Transmenschen. Das ist bedrohlich, aber ich habe in keiner Weise das Gefühl, dass ich all die Jahre gegen Windmühlen angekämpft habe. Im Gegenteil: Die Werte, für die wir uns so lange eingesetzt haben, die müssen wir jetzt eben verteidigen.“ Um ihre Kräfte richtig einzuteilen, lässt sie sich von einem weiblichen Zeit-Coach beraten. „Sie hat die Aufgabe, auf mich aufzupassen und zu gucken, was ich mit meinem Lebensmaßband noch mache.“

Runder Geburtstag als Einschnitt

„Runde Geburtstage sind immer ein Einschnitt, finde ich. Man fragt sich dann: Wo stehe ich im Leben? Das war schon beim 40. so, beim 50., beim 60. Und beim 70. denkt man zwangsläufig darüber nach, dass das Messband kürzer wird. Wenn man zum Taj Mahal will, muss man das jetzt machen.“ Ihr persönlicher Taj Mahal ist Ilse, der zweite Rauhaardackel, den sie sich nach dem Ende der Moderation zugelegt hat. Die Hunde Ilse und Finchen leben mit ihr und ihrer Frau in der Kölner Südstadt.

Leben in der Eifel und in den Niederlanden

Das Haus in der Eifel betrachtet Böttinger als ihren ersten Wohnsitz. „Da mache ich auch immer sehr viel Sport. Aber durch diese ganzen Veranstaltungen, die ich ehrenamtlich moderiere, war ich die letzten vier Wochen praktisch nicht da. Das ist so eines dieser Themen für den Zeit-Coach.“ Zum Glück kann sie im Urlaub sofort abschalten – etwa in einem kleinen Ferienhaus an der niederländischen Küste in Kattendijke. „Zweieinhalb Stunden von Tür zu Tür, das ist ideal. Dieses Häuschen ist seit 1970 im Besitz unserer Familie, aber inzwischen sind alle verstorben außer mir. Dadurch ist das Haus ein kleines Mausoleum geworden.“

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Vor Kurzem hatte sie dort ein bewegendes Erlebnis: Anfang Mai gedenken die Niederländer landesweit der Toten des Zweiten Weltkriegs. 2025 waren die Feiern wegen des 80. Jahrestags des Kriegsendes besonders groß. „Und da stand dann plötzlich ein Gemeindevertreter bei mir vor der Tür und sagte: 'Du bist doch Teilzeit-Einwohnerin von Kattendijke. Kannst du als Deutsche auch eine Rede halten?' Da habe ich erstmal geschluckt. Und dann gesagt: 'Ja, mache ich.' Es war sehr bewegend, sehr feierlich. Das niederländische Wort für Krieg kannte ich bis dahin gar nicht.“ „Oorlog“ heißt es.

Ausblick: Keine Veränderung in Sicht

Böttinger gibt zu: „Es wird sich wohl auch nach dem 70. nicht viel ändern bei mir. Wahrscheinlich sogar gar nichts.“ Der Tag ist weiterhin vollgepackt, unter anderem mit einer Aufnahme für den Podcast. „Das wird spannend, ich freu’ mich drauf.“ Trotz der schweren Erkrankung ihrer Frau zeigt sie sich kämpferisch: „Ich bin nicht nur engagiert, wenn ich auf einer Bühne sitze. Ich bin auch im normalen Leben der Typ Kümmerin. Ich kann das annehmen. Meine Laune war schon mal schlechter.“