Lagebericht 2025: 4096 antimuslimische Vorfälle in Deutschland dokumentiert
4096 antimuslimische Vorfälle in Deutschland dokumentiert

Das Netzwerk CLAIM (Allianz gegen Islam- und Muslimfeindlichkeit) hat für das Jahr 2025 insgesamt 4096 antimuslimische Vorfälle in Deutschland dokumentiert. Darunter befinden sich 214 Körperverletzungen. Das Lagebild basiert auf Meldungen von 38 Beratungs- und Meldestellen sowie communitybasierten Initiativen aus 15 Bundesländern, ergänzt durch Daten der politisch motivierten Kriminalität und Polizeipressemitteilungen. Es ist nicht repräsentativ, sondern zeigt einen Ausschnitt der Realität.

Hohe Dunkelziffer und Meldehürden

CLAIM geht von einem hohen Dunkelfeld aus. Insbesondere im schulischen Kontext sowie im Kontakt mit Behörden oder der Polizei bestünden „hohe Meldehürden“ für Betroffene. Viele Betroffene hätten Angst vor Repressionen. Alltägliche Formen von Rassismus würden zunehmend seltener gemeldet, da wiederholte Diskriminierungserfahrungen zu einer schleichenden Normalisierung führten. „Das bedeutet aber nicht, dass die Betroffenen keinen Leidensdruck verspüren“, heißt es im Lagebericht. Vielmehr beeinträchtigten diese Erfahrungen nachhaltig ihre Lebensqualität und ihr Sicherheitsgefühl. Es herrsche ein Klima der Angst und zunehmende Resignation.

Vergleich mit Vorjahresdaten

Die 4096 verifizierten Fälle sind nicht direkt mit den 3080 Fällen aus dem Jahr 2024 vergleichbar, da sich die Zahl der beteiligten Beratungsstellen von 26 auf 38 erhöht hat und die Erhebung nun 15 statt 13 Bundesländer abdeckt. Die Zunahme der dokumentierten Vorfälle ist daher teilweise auf eine verbesserte Erfassung zurückzuführen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Konkrete Vorfälle

Das Lagebild schildert mehrere Einzelfälle: In Greifswald wurde ein Mädchen von Jungen mit Sprüchen wie „Ausländer raus“ rassistisch beleidigt, während einer der Jungen versuchte, im Vorbeifahren mit dem Fahrrad eine Zigarette an ihrem Kopftuch auszudrücken. In Düsseldorf wurde eine 52-jährige Kopftuchträgerin im Dezember von einem Unbekannten mit der Faust ins Gesicht geschlagen, stürzte vom Fahrrad und erlitt erhebliche Verletzungen. Sie wandte sich anschließend an die Polizei.

Diskriminierung im Bildungsbereich

Ein muslimischer Schüler in Schleswig-Holstein berichtet, dass er von der Lehrkraft bei Unterrichtsthemen wie Extremismus oder Terrorismus gefragt werde, ob er sich davon „distanzieren“ wolle oder „wie Menschen aus seiner Religion“ dazu stünden. Solche pauschalen Zuschreibungen tragen zur Belastung bei.

Stimmen aus dem Netzwerk

Said Etris Hashemi, der das rassistische Attentat von Hanau am 19. Februar 2020 schwer verletzt überlebte, sagte bei der Vorstellung des Berichts: „Rassismus beginnt nicht mit Gewalt, sondern da, wo Menschen pauschal zum Problem erklärt werden. Worte bleiben nicht folgenlos.“

CLAIM-Geschäftsführerin Rima Hanano äußerte Besorgnis, dass das Thema antimuslimischer Rassismus seitens der Bundesregierung aktuell „nicht die notwendige Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient“.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration