EKD-Ratsvorsitzende: 24 antisemitische Vorfälle pro Tag sind Angriff auf Demokratie
24 antisemitische Vorfälle täglich: EKD-Ratschefin warnt

Die evangelische Kirche schlägt Alarm: Mit durchschnittlich 24 antisemitischen Vorfällen pro Tag sei die demokratische Kultur in Deutschland massiv bedroht. Das erklärte Kirsten Fehrs, die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), gegenüber dem Tagesspiegel. Grundlage sind die aktuellen Zahlen des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS), die am Mittwoch veröffentlicht wurden.

Drastischer Anstieg seit dem 7. Oktober 2023

Seit dem Überfall der Hamas auf Israel im Oktober 2023 hat sich die Zahl antisemitischer Vorfälle in Deutschland mindestens verdreifacht. Im vergangenen Jahr erfasste RIAS insgesamt 8725 Vorfälle. Bei etwa zwei Dritteln dieser Fälle gab es einen Bezug zu Israel. Die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher liegen.

Alltägliche Übergriffe und ein Anschlag am Holocaust-Mahnmal

Ein Beispiel für die alltäglichen Angriffe ist der Fall eines Rabbiners in Hessen: In einem Supermarkt wurde er vor den Augen seiner Kinder gestoßen, ihm wurde sein Handy entrissen und er wurde für israelisches Handeln verantwortlich gemacht. Überregional bekannt wurde der Anschlag am Holocaust-Mahnmal im Februar 2025. Ein damals 19-jähriger Syrer attackierte im Namen des Islamischen Staates einen spanischen Touristen von hinten und verletzte ihn lebensgefährlich. Der Täter wurde zu 13 Jahren Haft verurteilt, das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig, da Revision eingelegt wurde.

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Antisemitismus im Netz und rechtsextreme Taten

Mehr als ein Viertel aller antisemitischen Vorfälle ereignete sich online, darunter auch Morddrohungen. Mit 807 rechtsextremen Fällen verzeichnete RIAS den höchsten Wert seit Beginn der Erhebung im Jahr 2020. Dokumentiert wurden Verschwörungsmythen, NS-Verherrlichung und Wünsche nach einer Wiederholung der Schoah. So rief eine rechtsextreme Gruppe in Mecklenburg-Vorpommern in einem Bus „Juden an die Wand“, verhöhnte die Schoah und bedrohte Flüchtlinge sowie andere Fahrgäste.

Reaktionen aus Kirche, Politik und Verbänden

Kirsten Fehrs betonte: „Antisemitismus ist für Jüdinnen und Juden in unserem Land immer noch und leider immer mehr bittere Realität.“ Die aktuellen Zahlen zeigten in erschütternder Weise, in welcher Angst und unter welchen Bedrohungen jüdische Menschen heute leben müssten. „Jede Form von Antisemitismus, jede Bedrohung, jede Relativierung jüdischer Sicherheit ist auch ein Angriff auf unsere Demokratie und widerspricht unserem christlichen Selbstverständnis und unserer Verantwortung in diesem Land“, so die EKD-Ratschefin. Sie rief insbesondere Christen zu sichtbarer Solidarität auf.

RIAS-Geschäftsführer Benjamin Steinitz warnte: „Antisemitismus bedroht die demokratische Kultur als Ganzes.“ Es brauche nicht nur entschlossenes Handeln von Staat, Justiz und Verwaltung, sondern auch eine resiliente Zivilgesellschaft. Bund und Länder müssten die dauerhafte Finanzierung zivilgesellschaftlicher Melde- und Beratungsstellen sicherstellen.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, erklärte: „Der Jahresbericht von RIAS zeigt, Antisemitismus ist in Deutschland scheinbar ungebremst auf dem Vormarsch.“ Er lobte die Arbeit von RIAS, ohne die man über viele Entwicklungen nicht mit der notwendigen Klarheit sprechen könne. Zentralratspräsident Josef Schuster nannte die im Schnitt 24 Vorfälle pro Tag eine „bedrückende Realität in Deutschland“ und sprach von einer Verfestigung des Antisemitismus auf Rekordniveau.

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