Bei einem Termin zum Sorgerecht für seine drei Monate alte Tochter hat ein 45-jähriger Mann in Stade sechs Menschen erschossen. Vier Frauen und zwei Männer, darunter Mitarbeiter der Einrichtung und des Jugendamtes, starben. Der mutmaßliche Täter wurde kurz nach der Tat festgenommen, als er mit einem Auto zu fliehen versuchte.
Opfer und Tathergang
Die Schüsse fielen am Montag gegen Mittag in einem Backsteinhaus in einer ruhigen Wohngegend. Laut Polizei waren alle sechs Opfer zu dem Termin erschienen, bei dem es um das Sorgerecht für das Baby ging. Fünf Menschen starben noch am Tatort, ein weiteres Opfer erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Die 34-jährige Mutter des Kindes und ihre Tochter blieben unverletzt.
Der 45-jährige Tatverdächtige, ein türkischer Staatsbürger, wurde von der Polizei gestellt, als er in einem Auto zu fliehen versuchte. Die 65-jährige Fahrerin des Fluchtwagens steht in enger Verbindung zur Familie des Täters und wurde ebenfalls vernommen. Ob sie weiter in Gewahrsam ist, teilte die Staatsanwaltschaft nicht mit.
Ermittlungen und Hintergründe
Die Staatsanwaltschaft Stade prüft derzeit einen Haftbefehl. Sollte das Amtsgericht Stade zustimmen, kommt der Mann in Untersuchungshaft. Berichte über eine angebliche Clanmitgliedschaft des Täters bestätigten die Ermittler nicht. „Wir haben derzeit keine Hinweise dafür, dass eine Clanzugehörigkeit besteht“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft der dpa.
Der 45-Jährige war polizeilich bekannt, galt aber laut Polizeipräsidentin Kathrin Schuol nicht als „absolut gewalttätig“. Eine Waffenbesitzerlaubnis hatte er nicht. Die Ermittler suchen noch nach der Tatwaffe und klären, wie der Täter an sie gelangte. Aus ermittlungstaktischen Gründen machte die Polizei dazu keine Angaben.
Trauer und Unterstützung
Die Tat hat bundesweit Bestürzung ausgelöst. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb auf X: „Die Nachricht aus Stade erschüttert bis ins Mark.“ Am Tatort legten Anwohner Blumen und Kerzen nieder. Die Straße bleibt voraussichtlich den gesamten Dienstag gesperrt.
Der niedersächsische Landesbeauftragte für Opferschutz, Thomas Pfleiderer, richtete ein kostenloses Beratungstelefon für psychosoziale Hilfe ein. „Wir können nicht ungeschehen machen, welches Leid durch den Akt der Gewalt über so viele Menschen gebracht wurde“, sagte Pfleiderer. „Wir können aber nach besten Kräften an der Seite der Betroffenen stehen.“
Die Ermittlungen dauern an. Das Landeskriminalamt sichert Spuren am Tatort, während die Polizei Zeugen befragt. Das Baby wurde in die Obhut des Jugendamtes übergeben.



