Rätsel um 5000 Jahre altes Grab: Menschenopfer in Sachsen-Anhalt?
Rätsel um 5000 Jahre altes Grab in Sachsen-Anhalt

Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt haben nahe dem Dorf Gerstewitz eine außergewöhnliche Grabstätte aus der Schnurkeramikzeit freigelegt. Die menschlichen Überreste eines etwa 25 Jahre alten Mannes wurden in einer aufgegebenen Brennofengrube entdeckt, was auf ein mögliches Menschenopfer vor rund 5000 Jahren hindeutet.

Ungewöhnlicher Bestattungsort

Der Verstorbene lag in der typischen Hockerstellung der Schnurkeramikkultur: auf der rechten Seite mit dem Gesicht nach Süden. Doch statt in einem regulären Grabhügel wurde er in einer Grube beigesetzt, die aus zwei miteinander verbundenen unterirdischen Kammern bestand. Dies weicht erheblich von den üblichen Bestattungsritualen dieser Kultur ab, die zwischen etwa 2900 und 2050 v. Chr. in weiten Teilen Nord- und Mitteleuropas verbreitet war.

Spuren von Gewalt

Die Forscher stellten leichte Verschiebungen im Oberkörperbereich sowie ein Trauma am Schädel fest. Dies deutet darauf hin, dass der Mann möglicherweise kurz vor oder zum Zeitpunkt seines Todes Gewalt erfahren hat. „Die Verletzungen könnten auf ein Gewaltverbrechen oder einen Konflikt hindeuten“, erklärte Grabungsleiter Christian Pabst. „Aber auch ein ritueller Hintergrund ist denkbar.“

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Rituelle Handlungen im Fokus

Besondere Brisanz erhält die Entdeckung durch weitere Funde an der gleichen Stelle: vollständige Rinderskelette und teilweise zerlegte Hunde. Die Archäologen vermuten, dass diese Tiere als Opfergaben niedergelegt wurden. „In Kombination mit der ungewöhnlichen Bestattung des Mannes liegt die Vermutung nahe, dass es sich um ein Menschenopfer handeln könnte“, so Pabst. Ältere Funde der Salzmünder Kultur aus demselben Gebiet, darunter Gruben mit Hundeknochen, menschlichen Schädeln und Keramikgefäßen, stützen diese These.

Weitere Untersuchungen geplant

Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt plant nun umfangreiche Laboruntersuchungen des Skeletts, um die Todesursache zu klären. „Wir erhoffen uns Aufschluss darüber, ob der Mann durch Gewalt ums Leben kam und ob dies im Rahmen eines Rituals geschah“, sagte ein Sprecher. Die Fundstelle in Gerstewitz gilt bereits jetzt als bedeutendes Zeugnis der Vorgeschichte, da sie Spuren mehrerer Kulturen – von der Baalberger Kultur (4000–3400 v. Chr.) bis zur Salzmünder Kultur – vereint.

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