Guten Morgen Potsdam! Wer erinnert sich noch an den 12. Oktober 2025? Es war ein Sonntag – und der Tag, an dem Noosha Aubel zu Potsdams neuer Oberbürgermeisterin gewählt wurde. Von einem Triumph war die Rede, einem Erdrutschsieg der Parteilosen, die in der Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten 72,9 Prozent der Stimmen auf sich vereinte.
Von der Euphorie dieses Oktobers allerdings ist ein halbes Jahr später nicht viel geblieben. Wohlgesonnene sprechen davon, dass Aubel sich in der neuen Rolle als Oberbürgermeisterin noch finden müsse. Andere reden schonungslos von angeblichem Chaos im Rathaus und fehlendem politischen Verständnis der Oberbürgermeisterin. Selbst jene, die Aubel im Wahlkampf unterstützt hatten, zeigen sich befremdet – und entfremdet. Dazu gehören die Grünen, aber auch die linke Wählergruppe Die Andere.
Ein linker Student, der zur Truppe der Hausbesetzer von der Tornowstraße 40 gehört, riet der Oberbürgermeisterin in der jüngsten Stadtverordnetenversammlung: „Erinnern Sie sich, wer Sie gewählt hat.“
Fest steht: Es läuft nicht rund für und unter Aubel. Drei Probleme, die das zeigen:
1. Wasserversorgung
Aubel preschte vor und kündigte den bisherigen Vertrag mit der kommunalen Energie und Wasser Potsdam (EWP) – ohne genauen Plan, was danach geschehen soll. Dann schlug sie vor, europaweit auszuschreiben, um möglichst einen privatwirtschaftlichen Partner für die Wasserversorgung zu finden. Damit ließen die Stadtverordneten sie am Mittwoch bei der jüngsten Sitzung auflaufen. Die SPD stellte einen Dringlichkeitsantrag auf Gründung einer rein kommunalen Wasser Potsdam GmbH. Während die Oberbürgermeisterin noch versuchte, zu verhindern, dass der Antrag diskutiert und abgestimmt wird, hatte eine deutliche Mehrheit gegen sie sich schon gefunden. Aubels Ansinnen, Potsdams Wasser teilweise zu privatisieren, wurde damit klar ausgebremst. Eine politische Niederlage für die Oberbürgermeisterin.
2. Rechenzentrum
Hier hat die Oberbürgermeisterin ihren Vorschlag unabgestimmt und im Alleingang ins zuständige Gremium gebracht. Aubels Plan: Der Betreiber des Rechenzentrums soll pro Jahr 70.000 Euro Entschädigung an die Stiftung Garnisonkirche zahlen, weil durch den DDR-Bau ein Teil des Garnisonkirchen-Grundstücks blockiert ist. Im Gegenzug soll das Rechenzentrum jedoch nicht etwa stehenbleiben. Im Gegenteil: In sieben Jahren soll es abgerissen werden, so Aubel. Dafür gibt es jede Menge Gegenwind und Unterstützung nur von zwei Mini-Fraktionen im Stadtparlament: den Freien Wählern und der FDP.
3. Bauen und Wohnen
Am vergangenen Montag stellte Aubel das Programm „Potsdam-Plan 3000+“ vor. Doch wer meint, dass es um 3000 neue Wohnungen für die Stadt geht, liegt falsch. Zwar wurden „zusätzlich 1000 neue Wohnungen“ der kommunalen Pro Potsdam bis 2032 angekündigt – doch die Pläne sind alle längst bekannt. Und die Zahl 3000? Die bezieht sich auf alle neuen Wohnungen, die die Pro Potsdam in den vergangenen 15 Jahren errichtet hat und bis 2032 noch bauen will. PR statt Politik, möchte man meinen. Besonders in Sachen Wohnkrise nicht empfehlenswert.
Mehr dazu gleich – nach diesem kurzen Abstecher in die Potsdamer Staatskanzlei: Auch im Machtzentrum der Regierung in der Heinrich-Mann-Allee geht es nicht immer um Politik. Sondern manchmal auch um private Pakete. Wegen dieser soll eine enge Mitarbeiterin von Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) eine Kollegin geschlagen haben. Die Staatsanwaltschaft Potsdam hat Ermittlungen aufgenommen. Der Vorwurf: Körperverletzung im Amt.
Solche Vorfälle sind aus Potsdams Rathaus nicht bekannt. Unruhe gibt es trotzdem. Die Frage, die wir Journalisten jetzt allerorten in Gesprächen gestellt bekommen, scheint auch dort in der Luft zu liegen: Kann Noosha Aubel Oberbürgermeisterin – oder kann sie es nicht? Und, was meinen Sie? Schreiben Sie uns Ihre Meinung an potsdamheute@pnn.de
Auch im heutigen Newsletter: Darüber spricht die Stadt: Potsdams Wohnkrise und kein Ende. Die gute Nachricht: Charlottenhof soll Kulturbahnhof werden. Person der Woche: Heiko Bengs – der Ex-Fußballer veranstaltet zur WM wieder ein Public Viewing. Außerdem Potsdam-Veranstaltungstipps für das Wochenende und ein Gastrotipp.



