Die Berliner CDU hat sich hinter ihrem Regierenden Bürgermeister Kai Wegner versammelt. Auf dem Landesparteitag in Neukölln kürten die Delegierten Wegner mit 92,64 Prozent zum Spitzenkandidaten für die Abgeordnetenhauswahl im September 2026. Das Ergebnis liegt nahezu auf dem Niveau von 2021, als er 92,7 Prozent erhielt. Wegner erhielt 252 von 272 abgegebenen Stimmen. Die Wahl war geheim.
Wegner gibt Fehler zu und beschwört Einheit
Der Parteitag war mit Spannung erwartet worden, da Wegner zuletzt mit einer Reihe von Pannen und sinkenden Umfragewerten zu kämpfen hatte. In seiner rund eineinhalbstündigen Rede ging der Amtsinhaber offen auf die Kritik ein: „Ja, wir sind nicht gut in dieses Jahr gestartet. Auch ich bin nicht gut in dieses Jahr gestartet“, räumte er ein. Entscheidend sei jedoch, dass man aus diesen Fehlern lerne. Wegner betonte die Geschlossenheit der Partei und rief zu einem kämpferischen Wahlkampf auf. „Vor euch steht ein Kai Wegner, der in den nächsten 100 Tagen dafür kämpfen wird, dass diese Stadt nicht nach links abdriftet“, versprach er den Delegierten. Er wolle den Kurs der pragmatischen Mitte fortsetzen.
Attacken auf Linke und Grüne
Wegner nutzte seine Rede für eine deutliche Abgrenzung zu den politischen Konkurrenten. Er attackierte Linke und Grüne scharf: „Gesunder Menschenverstand statt links-grüner Ideologie“, lautete seine Parole. Konkret versprach er, den „Poller-Irrsinn“ zu beenden, sich für Lesen, Schreiben und Rechnen in Schulen statt „Gender-Wahn“ einzusetzen und das Auto in Berlin „für immer“ zu erlauben. Zudem warb er für die Randbebauung des Tempelhofer Feldes und den Bau des 17. Abschnitts der A100. Der Linken warf er „Polizisten-Hass“ und Antisemitismus vor. Die CDU sei der Anwalt der Mitte der Gesellschaft.
Bilanz und Ausblick
Als Erfolge seiner Amtszeit hob Wegner die Verwaltungsreform und kürzere Wartezeiten bei Bürgerämtern hervor. Die anstehende Wahl bezeichnete er als „Schicksalswahl“. Die CDU sei die einzige Kraft, die garantiere, dass weder Rechts noch Links in Verantwortung kommen. Für seine Rede erhielt Wegner minutenlange stehende Ovationen. Trotz interner Kritik und einer spontanen Gegenkandidatur von Wolfram Wickert, der nur wenige Stimmen erhielt, zeigte sich die Partei nach außen geschlossen.
Pannenserie belastet Wegner
Der Absturz in den Umfragen – die CDU liegt aktuell bei 19 Prozent, 2023 waren es noch 28,2 Prozent – ist auf eine Reihe von Krisen zurückzuführen. Dazu zählen der Stromausfall nach einem Brandanschlag im Januar, bei dem Wegner zunächst Tennis spielte und dies verschwieg, die Glatteis-Krise im Winter sowie die Fördergeldaffäre um Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson, die im April zurücktrat. Auch die Affäre um Digitalstaatssekretär Matthias Hundt, der nach nur zweieinhalb Monaten entlassen wurde und nun Übergangsgeld erhält, belastet den Regierungschef. Hinzu kommt eine gerichtliche Niederlage bei der Schließung des Görlitzer Parks.
Wahlkampf mit Rückenwind?
Trotz der Schwierigkeiten geht die CDU geeint in den Wahlkampf. Wegner zeigte sich zufrieden mit dem Votum und fragte rhetorisch: „Ich will Regierender Bürgermeister bleiben, was denn sonst und wer denn sonst.“ Ob die Wagenburgmentalität bis zur Wahl hält, bleibt abzuwarten. Für viele Abgeordnete geht es um ihre Mandate. Sollte die CDU am Wahlabend bei 19 Prozent landen, würden einige ihre Sitze verlieren. Die Wahl am 26. September 2026 wird zeigen, ob Wegner und seine Partei die Wende schaffen.



