Karin Prien plädiert für ein Verbot digitaler Geräte bei Kleinkindern
Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Karin Prien hat sich in der Debatte um die Nutzung digitaler Endgeräte durch Kleinkinder klar positioniert. In einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ forderte die schleswig-holsteinische Bildungsministerin, dass Kinder unter drei Jahren grundsätzlich keinen Kontakt zu Smartphones, Tablets oder ähnlichen Geräten haben sollten. „Es müsste Standard sein, dass Kinder unter drei keinen Kontakt zu digitalen Endgeräten haben“, betonte Prien.
Entwicklungspsychologische Bedenken
Prien untermauerte ihre Forderung mit entwicklungspsychologischen Erkenntnissen. Die ersten drei Lebensjahre seien entscheidend für die Gehirnentwicklung, und übermäßige Bildschirmzeit könne negative Auswirkungen auf die Sprachentwicklung, die Konzentrationsfähigkeit und das Sozialverhalten haben. „Kinder in diesem Alter lernen durch reale Interaktionen und sinnliche Erfahrungen, nicht durch digitale Medien“, so die Politikerin.
Appell an Eltern und Politik
Die CDU-Politikerin appellierte sowohl an die Eltern als auch an die Politik, Verantwortung zu übernehmen. Sie forderte eine breite gesellschaftliche Debatte über den Umgang mit digitalen Medien in der frühen Kindheit. „Wir müssen Eltern unterstützen, damit sie klare Regeln aufstellen können, und wir brauchen verbindliche Leitlinien, die in Kitas und Familien umgesetzt werden“, erklärte Prien. Sie verwies auf Länder wie Frankreich, wo es bereits Empfehlungen gibt, Kinder unter drei Jahren von Bildschirmen fernzuhalten.
Kritik an der Digitalstrategie der Bundesregierung
Prien nutzte die Gelegenheit, um die Digitalstrategie der Bundesregierung zu kritisieren. Diese sei zu sehr auf die Ausstattung mit Technik fokussiert und vernachlässige die pädagogischen Aspekte. „Es geht nicht darum, jedes Kind mit einem Tablet auszustatten, sondern darum, Medienkompetenz altersgerecht zu vermitteln“, sagte sie. Die Bildungspolitik müsse stärker auf die Bedürfnisse der Kinder ausgerichtet sein.
Reaktionen aus der Politik
Die Forderung Priens stieß auf gemischte Reaktionen. Während Vertreter von Grünen und SPD Verständnis für die entwicklungspsychologischen Bedenken zeigten, warnten sie vor zu strengen Verboten. „Ein pauschales Verbot ist nicht zielführend. Vielmehr sollten Eltern in ihrer Medienkompetenz gestärkt werden“, erklärte eine Sprecherin der Grünen. Die FDP hingegen kritisierte Priens Vorstoß als realitätsfern: „Digitale Medien sind Teil unseres Alltags. Verbote helfen nicht, wir brauchen Aufklärung und praktische Hilfestellungen für Familien.“
Wissenschaftliche Studien untermauern die Warnung
Die Forderung Priens wird durch mehrere wissenschaftliche Studien gestützt. Eine Untersuchung der Universität Ulm zeigte, dass Kinder, die vor dem dritten Lebensjahr regelmäßig digitale Geräte nutzen, häufiger Sprachdefizite aufweisen. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, dass Kinder unter zwei Jahren überhaupt keine Bildschirmzeit haben sollten. Prien sieht sich daher bestätigt: „Die Wissenschaft ist eindeutig. Wir müssen handeln, bevor es zu spät ist.“
Ausblick: Konkrete Maßnahmen gefordert
Prien kündigte an, dass sie sich auf Bundesebene für verbindliche Regeln einsetzen werde. Sie schlägt vor, dass Kitas und Kindertagespflege klare Konzepte zur Mediennutzung entwickeln und Eltern verbindliche Informationsangebote erhalten. „Wir brauchen eine Kultur der Achtsamkeit im Umgang mit digitalen Medien, die bei den Jüngsten beginnt“, so Prien abschließend.



