Ob das Glas halb voll oder halb leer ist, hängt vom Betrachter ab: Eine faire Bilanz von Berlins neuem elften Pflichtschuljahr zu ziehen, ist nicht einfach. Erste objektive Zahlen liegen nun vor, die der Tagesspiegel exklusiv präsentiert.
Das Problem: Tausende Jugendliche ohne Anschluss
Jedes Jahr tauchen mehr als 1000 Jugendliche nach der Schule unter – ohne berufliche Perspektive. Der Berliner Senat wollte diesen Trend mit einem zusätzlichen Praxis-Schuljahr stoppen. Die Maßnahme zielt darauf ab, Schulabbrecher und Jugendliche ohne Ausbildungsplatz gezielt zu fördern.
Erste Bilanz: Erfolge und Defizite
Laut den vorliegenden Daten konnten viele Teilnehmer in eine Ausbildung oder weiterführende Schule vermittelt werden. „Jeder, den man rettet, ist ein Erfolg“, betont ein Sprecher der Bildungsverwaltung. Dennoch bleibt eine Lücke: Nicht alle Jugendlichen erreichen das Ziel. Kritiker monieren, dass das Programm zu kurz greift und mehr individuelle Unterstützung nötig ist.
Zahlen im Detail
- Über 80 Prozent der Teilnehmer haben das Praxisjahr erfolgreich abgeschlossen.
- Rund 60 Prozent fanden im Anschluss einen Ausbildungsplatz oder eine schulische Anschlusslösung.
- Etwa 20 Prozent benötigen weiterhin intensive Betreuung.
Reicht das? Stimmen aus der Praxis
Bildungsexperten fordern eine Verlängerung der Maßnahme und mehr Kooperation mit Unternehmen. „Das Praxisjahr ist ein guter Anfang, aber nicht die alleinige Lösung“, so eine Stimme aus der Jugendhilfe. Der Senat plant, das Programm zu evaluieren und gegebenenfalls anzupassen.
Die Debatte um das elfte Pflichtschuljahr wird weitergehen – mit dem Ziel, jedem Jugendlichen eine echte Perspektive zu bieten.



