Olympia-Aus in Hamburg: Bürgerschaft debattiert hitzig über Vertrauensverlust
Olympia-Aus: Bürgerschaft debattiert Vertrauensverlust

Die Hamburger Bürgerschaft hat die gescheiterte Olympia-Bewerbung in einer emotionalen Debatte aufgearbeitet. Die Opposition nutzte die Aktuelle Stunde, um den rot-grünen Senat scharf zu kritisieren. CDU, Linke und AfD sprachen von einem Misstrauensvotum der Bevölkerung. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) wies die Vorwürfe jedoch entschieden zurück und betonte, das Referendum sei der richtige demokratische Weg gewesen.

Opposition sieht Vertrauensverlust

CDU-Fraktionschef Dennis Thering, der die Bewerbung unterstützt hatte, erklärte, die Ablehnung zeige, dass die Hamburger das Vertrauen in den Senat verloren hätten. Große Projekte wie Olympia würden mittlerweile vor allem als Risiko wahrgenommen. Die Linken-Co-Vorsitzende Heike Sudmann warf Rot-Grün vor, den Kontakt zur Stadt verloren zu haben. Die Alltagssorgen der Menschen seien ignoriert worden. AfD-Fraktionschef Dirk Nockemann bezeichnete das Referendum als gescheitert an den „Klippen des Misstrauens“ gegenüber dem Senat.

Tschentscher: Kein Desaster

Bürgermeister Tschentscher wies die Kritik zurück. Zu einer so weitreichenden Frage wie einer Olympia-Bewerbung müsse man die Bürger befragen. Das Ergebnis sei „kein Debakel oder Desaster“, auch wenn es nicht im Sinne des Senats gewesen sei. „Das ist genau der richtige demokratische Prozess, um den Weg einer Bewerbung weiterzugehen oder eben nicht.“ Olympische und Paralympische Spiele hätten eine große Chance für Sport und Stadtentwicklung sein können. Nun gelte es, wichtige Ziele auch ohne Olympia zu erreichen.

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CDU: Zweite Niederlage für den Senat

Thering hielt Tschentscher vor, mit dem Olympia-Referendum und dem Klimaentscheid im Herbst bereits die zweite Volksabstimmung innerhalb kurzer Zeit verloren zu haben. „Zwei zentrale Projekte unserer Stadt, zwei klare Niederlagen.“ Seine CDU sei von den Vorteilen Olympias für Hamburg überzeugt gewesen. „Dort, wo die CDU stark ist, hat auch Olympia eine deutliche Zustimmung gefunden“, so Thering. Sport- und Innensenator Andy Grote (SPD) warf Thering unfaires Spiel vor: „Wenn das gewonnen worden wäre, hätten sie es alleine gewonnen. Und wenn es jetzt verloren gegangen ist, dann ist der Bürgermeister Schuld. So einen Spieler will niemand in der Mannschaft haben.“

Grüne: Olympia als Booster

Die Linken erwarten vom Senat eine Selbstkritik und einen Kurswechsel. „Jede fünfte Hamburgerin, jeder fünfte Hamburger ist von Armut betroffen. Denen hätte Olympia nicht geholfen“, sagte Sudmann. Die Grünen-Co-Fraktionsvorsitzende Sina Imhof betonte, Olympia sei nie als Konkurrenz zu anderen Plänen gedacht gewesen. „Es ging um die Frage, wie bekommen wir zusätzliches Geld nach Hamburg.“ Olympia wäre ein Booster gewesen. Die Idee, dass Hamburg mehr kann und will, ende aber nicht.

Die Hamburger hatten das Referendum am vergangenen Sonntag mit 54,9 Prozent abgelehnt. Nur 45,1 Prozent sprachen sich für eine Bewerbung für 2036, 2040 oder 2044 aus. Auch in anderen deutschen Städten und Regionen wird über eine Olympia-Bewerbung diskutiert.

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