Der Humboldthain Club in Berlin-Gesundbrunnen kämpft um seine Existenz. Seit Monaten sorgt ein geplanter Hotelbau auf dem Nachbargrundstück an der Hochstraße 46 für Unruhe. Clubchef Ludwig Eben sieht sich und sein Team massiv unter Druck gesetzt. Die Zukunft des beliebten Clubs erscheint ihm weiterhin unsicher. Nun gibt es jedoch einen Lichtblick: Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Mitte hat einen Beschluss gefasst, der den Club besser schützen soll.
Politischer Beschluss für mehr Lärmschutz
Der Beschluss verpflichtet das bezirkliche Bauamt, dem luxemburgischen Unternehmen Periskop Development, das den Hotelbau realisieren will, von vornherein bestimmte Auflagen zu erteilen. Konkret geht es um den Schutz der künftigen Hotelgäste vor Lärm. Der Club mit seinen vielen Besuchern und lauter Musik an den Wochenenden erzeugt eine entsprechende Geräuschkulisse. Initiiert wurde der Antrag von den Grünen, federführend war der Bezirksverordnete Tarek Massalme. Der Beschluss wurde einstimmig von allen Parteien getragen.
Das Bauamt hat dem Bauherrn mittlerweile einen Bauvorbescheid ausgestellt, der die Forderung nach Lärmschutzmaßnahmen enthält. Massalme informierte den Clubbetreiber diese Woche offiziell über den Erfolg. Da Clubs baurechtlich noch nicht eindeutig als Gewerbe definiert sind, genießen sie nicht automatisch denselben Schutz. „Die Rechtsprechung ist jedoch zunehmend dieser Ansicht“, erklärte Massalme, der hauptberuflich als Architekt tätig ist. Wie der Investor den Schallschutz umsetzt, bleibt ihm überlassen. „Wenn er diese Auflagen nicht erfüllt, kann keine Nutzungsgenehmigung erteilt werden.“
Vorsichtiger Optimismus beim Clubchef
Ludwig Eben zeigte sich vorsichtig optimistisch. „Ich muss erst einmal darüber nachdenken“, sagte er gegenüber der Berliner Morgenpost. Seine Skepsis kann Massalme nachvollziehen. In der Vergangenheit sei von politischer Seite viel zu wenig zum Schutz von Clubs und Kultur unternommen worden. „Alle reden über das Clubsterben, aber niemand in der Politik setzt sich wirklich dafür ein“, kritisierte Massalme. Für Eben kommt die Unterstützung für seinen Club zu einem Zeitpunkt, an dem es für andere Einrichtungen bereits zu spät sein könnte. „Es ist fünf vor zwölf“, warnte er.
SPD will Clubkultur gesetzlich stärken
In der SPD-Fraktion des Berliner Abgeordnetenhauses gibt es ebenfalls Bestrebungen. Tamara Lüdke, Sprecherin für Clubkultur, betonte: „Für uns als SPD-Fraktion ist klar: Clubkultur ist kein Störfaktor, sondern ein Wirtschaftsfaktor und prägt Berlins Identität. Wer neu baut, muss sich an diese bestehende Kultur anpassen, nicht umgekehrt.“ Da viele Clubs keine baurechtliche Genehmigung besitzen, setze man sich auf Bundesebene dafür ein, „dass clubkulturelle Nutzungen leichter genehmigungsfähig sind und somit geschützt werden“. Aus dem Bauministerium sei angekündigt worden, dem Bundestag in Kürze eine entsprechende Gesetzesanpassung vorzulegen. Zudem unterstützt der Berliner Senat Clubs bei der Nachrüstung im Lärmschutz. Im Doppelhaushalt 2026/27 sind eine Million Euro dafür vorgesehen. Seit 2018 wurden insgesamt 3,555 Millionen Euro an verschiedene Clubs ausgezahlt.
Vorwürfe eines illegalen Grundstückstauschs
Für Ludwig Eben ist die Angelegenheit jedoch noch nicht abgeschlossen. Er vermutet einen Bauskandal. Um den Hotelbau auf dem Grundstück überhaupt rentabel zu machen, habe der Investor einen Grundstückstausch mit dem Land Berlin durchgeführt. Ein knapp 200 Quadratmeter großes Grundstück an der Hochstraße ging an den Investor. Diese Teilfläche erleichtert die Erschließung des gesamten Baugrundstücks. Im Gegenzug erhielt das Land eine ähnlich große Fläche nebenan, auf der sich heute eine Tischtennisplatte befindet. Eben vermutet, dass der Tausch zu einer enormen Wertsteigerung des Baugrundstücks geführt habe, ohne dass das Land Berlin dafür eine finanzielle Gegenleistung erhalten habe. Er spricht von einem „illegalen Grundstückstausch“. Zur Untermauerung seiner Vorwürfe ließ Eben ein Gutachten durch die Fidelius & Römling Bewertungsgesellschaft erstellen, das der Berliner Morgenpost vorliegt. Darin heißt es: „Der Tausch hat nicht nur zu einer flächenmäßigen Veränderung, sondern zu einer erheblichen wirtschaftlichen und wertmäßigen Aufwertung des Baugrundstücks geführt.“ Eine Stellungnahme des Bezirks steht noch aus.



