Blackout in Berlin: Wegner verfolgt das Tennis-Gate noch immer
Blackout in Berlin: Wegner verfolgt das Tennis-Gate

Seit einem halben Jahr verfolgt das sogenannte Tennis-Gate den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU). Der große Stromausfall am 3. Januar, ausgelöst durch einen mutmaßlich linksextremistischen Brandanschlag, legte die Stromversorgung für zehntausende Menschen im Bezirk Steglitz-Zehlendorf lahm. In vielen Häusern fiel auch die Heizung aus, Mobiltelefone funktionierten nicht. Wegner versäumte es, an diesem eiskalten Wintertag vor Ort zu sein und sich als Krisenmanager zu präsentieren.

Wegners widersprüchliche Angaben zum Krisentag

Stattdessen gab Wegner zunächst an, er sei zu Hause gewesen und habe sich in sein Büro eingeschlossen. „Ich war den ganzen Tag am Telefon und habe versucht zu koordinieren und mich bestmöglich zu informieren“, sagte er auf eine Journalistenfrage. Wenige Tage später räumte er nach einem Bericht des RBB ein, von 13.00 bis 14.00 Uhr Tennis gespielt zu haben – was er zunächst verschwiegen hatte. „Ich habe vor allen Dingen auch mit der Bundesregierung gesprochen, mit dem Bundeskanzleramt, mit dem Bundesinnenminister“, erklärte Wegner im Interview mit Welt TV. Die Sprecherin der Senatskanzlei präzisierte später, Wegners Aussage zum Tennisspiel sei „allein als Ergänzung zu verstehen“ gewesen.

Im Laufe der Ermittlungen stellte sich heraus, dass Wegners Angaben teilweise falsch waren. So habe er am 3. Januar nicht, wie zunächst behauptet, mit der Bezirksbürgermeisterin von Steglitz-Zehlendorf gesprochen. Die Berliner Stromnetz Berlin GmbH teilte mit, es habe ein einziges Telefonat von Wegner mit einem Mitglied der Entscheidungsgruppe des Krisenstabes gegeben – um 22.37 Uhr. Auch ein Gespräch mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) fand nicht statt, wie eine Sprecherin der Bundesregierung Mitte Mai korrigierte. „Ein Gespräch mit dem Chef des Bundeskanzleramtes hat am 3. Januar stattgefunden. Zu anderen Mitgliedern der Bundesregierung jenseits des Bundeskanzleramtes liegen keine Informationen vor“, erläuterte sie.

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Opposition fordert Rücktritt, Umfragen brechen ein

Die Opposition schoss sich auf Wegner ein. Aus der FDP und der AfD gab es Rücktrittsforderungen. Die Diskussion über sein Verhalten nahm Fahrt auf, als der Tagesspiegel Mitte März berichtete, Wegner habe den Umfang seiner Telefonate am Vormittag des ersten Krisentags nicht korrekt dargestellt. Bei einer Pressekonferenz antwortete Wegner wiederholt mit dem Hinweis „Dazu ist alles gesagt.“ Ein Videoclip auf der Plattform X ging viral. In der letzten März-Woche entschuldigte sich Wegner im Landesparlament. „Ich habe bei der Kommunikation Fehler gemacht“, sagte er in der Plenarsitzung.

In Umfragen sackte die CDU deutlich ab. Beim CDU-Landesparteitag am 10. Juni wurde Wegner trotz alledem mit 92,6 Prozent zum Spitzenkandidaten seiner Partei gewählt. „Aber vergessen ist der 3. Januar in Berlin noch nicht“, kommentiert die dpa. Der Wahltag ist am 20. September.

Gericht zwingt Wegner zu mehr Transparenz

Das Verwaltungsgericht Berlin entschied im Eilverfahren gegen die Senatskanzlei, dass Wegner doch noch mehr Auskünfte zu seiner Kommunikation geben muss. Der Tagesspiegel war vor Gericht gezogen und berief sich auf einen presserechtlichen Auskunftsanspruch. Nach der Entscheidung muss der Regierungschef zumindest darüber informieren, wie oft und wie lange er bis zum Mittag des 3. Januar im Rahmen der Krisenbewältigung mit zuständigen Stellen telefoniert hat.

Innerhalb der Berliner CDU gibt es kritische Stimmen zu Wegners Verhalten. Hinzu kommen weitere Kontroversen, etwa um den entlassenen Digitalstaatssekretär Matthias Hundt oder den vorerst gescheiterten Plan, den Görlitzer Park nachts zu verschließen. Die Diskussion um den Blackout und das Tennis-Gate wird Wegner wohl bis zur Wahl begleiten.

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