Berlin und Brandenburg bereiten gemeinsame Expo-2035-Bewerbung vor
Berlin und Brandenburg planen Expo-2035-Bewerbung

Berlin und Brandenburg arbeiten an einem gemeinsamen Konzept für die Expo 2035

Die Hauptstadtregion strebt nach einem weiteren Großereignis: Berlin und Brandenburg wollen bis Oktober 2026 ein gemeinsames Konzept für eine Bewerbung um die Weltausstellung Expo im Jahr 2035 erarbeiten. Dies geht aus einem Brief des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Kai Wegner (CDU), hervor, der dem Tagesspiegel vorliegt.

Einleitung eines gemeinsamen Prüfprozesses

Wegner habe mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) die „Einleitung eines gemeinsamen Prüf- und Arbeitsprozesses“ verabredet, schreibt er an Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) und Finanzsenator Stefan Evers (CDU). Er bittet die beiden Senatsmitglieder um eine „zeitnahe Kontaktaufnahme“ mit ihren Ressortkollegen in Potsdam.

„Ziel dieses Prozesses soll nach unserer gemeinsamen Auffassung sein, die Voraussetzungen, Chancen, Risiken und Erfolgsaussichten einer möglichen Expo-Bewerbung systematisch zu untersuchen und bis spätestens Oktober 2026 eine gemeinsame Entscheidungsgrundlage der Länder zu erarbeiten“, so Wegner. Dieser Zeitplan sei auch mit Dimitri S. Kerkentzes, dem Generalsekretär des Bureau International des Expositions, das die Weltausstellungen vergibt, erörtert worden.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Wegner fordert umfassendes Konzept

Neben dem strategischen Konzept und einer Leitidee wünscht Wegner sich auch einen Plan zu möglichen Flächen, der benötigten Infrastruktur und Mobilität sowie Fragen der Kosten und Wirtschaftlichkeit einer gemeinsamen Weltausstellung in der Hauptstadtregion.

Berlin und Brandenburg hätten „einzigartige Voraussetzungen, um Herausforderungen und Entwicklungen von globaler Bedeutung sichtbar zu machen und das Potenzial der Hauptstadtregion als Zukunftslabor Europas herauszuarbeiten“, schwärmt Wegner. Der Regierende Bürgermeister macht auch deutlich, dass es ihm bei der Expo nicht nur um die Veranstaltung selbst geht.

„Eine solche Bewerbung könnte weit über ein zeitlich begrenztes Großereignis hinausreichen: Sie hätte das Potenzial, Impulse für nachhaltige Infrastrukturentwicklungen, wirtschaftliche Dynamik, internationale Sichtbarkeit sowie den gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Metropolregion Berlin-Brandenburg zu setzen“, schreibt Wegner an Giffey und Evers.

Ursprung der Expo-Idee

Den Anstoß für eine Weltausstellung 2035 in Berlin hatte der damalige IHK-Präsident Daniel-Jan Girl im Februar 2022 in einem Gastbeitrag für die Tagesspiegel-Serie „75 Visionen für Berlin“ gegeben. Seitdem hat Girl kontinuierlich für die Expo-Pläne geworben.

Wegner hatte lange Zeit eine Expo in Berlin abgelehnt, um die laufende Olympia-Bewerbung nicht zu gefährden. Im Januar dieses Jahres sprach er sich jedoch erstmals explizit für eine gemeinsame Weltausstellung mit Brandenburg aus. Erst vor einem Monat nannte er das Gelände des ehemaligen Flughafens Schönefeld als „ideale Fläche für eine Expo“. Auch die private Berliner Expo-Initiative favorisiert ein 200-Hektar-Areal in der Nähe des BER als Hauptgelände – nebst einer Reihe von „Expo-Satelliten“.

Druck aus Brandenburg und Berlin

Zuletzt hatte die gesamte Brandenburger Wirtschaft bis hin zu Firmen wie Tesla und Arcelor Mittal in einem Schreiben an Wegner und Woidke vehement eine gemeinsame Expo-Bewerbung eingefordert. Dass die beiden nun die Planungen vorantreiben, kann auch als Reaktion darauf gesehen werden.

Zudem gab es neuen Druck aus Berlin: Ende Mai hatte die SPD, die schon seit Monaten für eine gemeinsame Bewerbung mit Brandenburg plädiert, einen Koalitionsausschuss zu diesem Thema eingefordert. Nach Tagesspiegel-Informationen gab es daraufhin am Donnerstag im Abgeordnetenhaus ein Treffen der Spitzen von CDU und SPD. Am Freitag schrieb der Regierende Bürgermeister seinen Brief an Giffey und Evers.

Olympia-Bewerbung bleibt vorrangig

Darin macht Wegner allerdings deutlich, dass er und Woidke die Olympia-Bemühungen weiterhin für vorrangig halten. Die Prüfung der Expo-Bewerbung solle aber „synergetische Potenziale“ ausloten.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Um die Olympischen Sommerspiele für die Jahre 2036, 2040 oder 2044 bewirbt sich Berlin gemeinsam mit den Partnerländern Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Am 26. September will der Deutsche Olympische Sportbund darüber entscheiden, wer für Deutschland ins internationale Bewerberrennen geht. Erst kürzlich hatte sich eine Mehrheit der Hamburger Bevölkerung gegen Olympia ausgesprochen, woraufhin die Hansestadt ihre Bewerbung zurückgezogen hatte.

Das wurde allgemein auch als Rückschlag für die Chancen Berlins gewertet, das seine Bevölkerung gar nicht erst befragt, weil ein solches Instrument in der Landesverfassung nicht vorgesehen ist. An Rhein und Ruhr sowie in München hatten Bürgerentscheide hingegen deutliche Mehrheiten für Olympia ergeben.

Wenn Berlin und Brandenburg nun im Oktober ein Expo-Konzept vorlegen wollen, könnte das also bereits unter ganz anderen Vorzeichen stehen: Womöglich sind sie dann schon aus dem Wettbewerb um die Olympischen Sommerspiele ausgeschieden.