Berliner Senat verspielt Chancen: Sportstadt braucht neuen Angriff
Berliner Senat verspielt Chancen: Sportstadt braucht neuen Angriff

Berlin hat immer noch Power, auch als Sportstadt. Der Berlin-Marathon im September ist längst ausgebucht; jetzt am Wochenende kommt mit Serena Williams wieder ein internationaler Star zum Tennisturnier ins Steffi-Graf-Stadion. Und viele Berliner Vereine sind – abgesehen von den beliebten Fußballklubs – Deutsche Meister. Wenn es in den Schwimmbädern endlich für alle sichtbar vorangehen würde, würde auch die Vorfreude der Menschen auf Olympia wachsen.

Olympia-Ambitionen des Senats: Gute Basis, aber fehlende Schritte

Für die Olympia-Ambitionen des Senats hat die Stadt genügend Sportstätten, gute Ideen wie das Boxen in der Waldbühne und eine leistungsfähige Infrastruktur, etwa bei den Hotels. Die Basis für eine powervolle Bewerbung ist da. Aber was machen der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Sportsenatorin Iris Spranger (SPD) konkret dafür? Von ihnen hört man wie in Zeitlupe wiederholte Bekenntnisse zu den Spielen. Aber man sieht keine klaren Schritte und Kampagnen, die die Menschen tatsächlich dafür begeistern würden. Berlin kann Großevents, wirkt aber sportpolitisch unentschieden.

Breitensport leidet unter Sanierungsstau

Der Sportstadt wird das Zögern nicht gerecht. Denn die Berlinerinnen und Berliner gucken nicht nur gern Sport, sie treiben ihn in Massen. Hunderttausende sind in 2300 Vereinen aktiv. Olympia könnte endlich den Schub geben, den der Breitensport braucht, wie schon ein vorsommerlicher Blick auf die Schwimmbäder zeigt: Das Kombibad in Pankow wartet seit der Wende auf Umsetzung, das Sommerbad in Marzahn-Hellersdorf ist überfällig, die Tribüne im eigentlich schönen Strandbad Wannsee fällt wohl bald auf die Badegäste herab. Wenn es hier endlich für alle sichtbar vorangehen würde, würde auch die Vorfreude der Menschen wachsen – und Olympia könnte vom Politikprojekt zu einem Stadtprojekt werden.

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Berliner Senat vergibt viele sportliche Großchancen

Bislang allerdings ist der Sanierungsstau bei Sportanlagen gigantisch. Nach Zahlen und Einschätzungen des Landessportbundes fehlen 400 Millionen Euro für öffentliche Sportstätten, noch einmal 400 Millionen für Schul-Turnhallen und noch einmal 400 Millionen für die Schwimmbäder. Zusammen sind das 1,2 Milliarden Euro. Zwar hat die Hauptstadt gerade vom Bund 16 Millionen Euro für die Sportstättensanierung zugeteilt bekommen. Aber das ist nur ein Schweißtropfen auf den heißen Kunstrasenplatz.

Neben den Spielfeldern zeigt der Senat schlicht zu wenig Engagement für den Sport. Das verdeutlichen drei aktuelle Beispiele:

  • Alle Pläne für ein privat finanziertes neues Hertha-Stadion im Olympiapark liegen auf dem Tisch, aber die Politik kommt seit Jahren nicht zur Entscheidung.
  • Der Ausbau der Alten Försterei für den 1. FC Union kommt jetzt zwar – aber kleiner als erhofft, weil die Verkehrsinfrastruktur in Köpenick nicht ausreicht.
  • Auch der Umbau des Jahnsportparks in Prenzlauer Berg zum inklusiven Sportpark verzögert sich; die lokalen Vereine vor Ort fühlen sich zudem nicht eingebunden.

All das sind vergebene Großchancen.

Kleinkarierte Aktion auf dem Alexanderplatz

Sinnbildlich dafür, dass Berlins Politik und Verwaltung der Zug zum Tor fehlt, ist die kurzfristig abgesagte Verteilung von 10.000 Bällen für verschiedene Sportarten an Vereine und Schulen auf dem Alexanderplatz. Weil das Bezirksamt Mitte hier zu viel Werbung für die Ballverteiler vermutete, werden die Sportgeräte jetzt stattdessen in München unter die Leute gebracht. Berlins Olympiakonkurrent darf sich bedanken, dass die Hauptstadtverwaltung so kleinkariert und unsportlich agiert.

Fazit: Zeit für einen neuen Angriffszug

Sportpolitisch zeigt die Hauptstadt nicht gerade Bestleistungen. Der Berliner Sportbegeisterung wird das nicht gerecht. Der vom Senat so gerne propagierten Olympia-Bewerbung auch nicht. Zeit für einen neuen Angriffszug!

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