Die Debatte um die Lehrerausbildung in Berlin ist neu entbrannt. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hat vorgeschlagen, eine zentrale Pädagogische Hochschule (PH) zu gründen, um das Lehramtsstudium zu bündeln. Dies würde bedeuten, dass die Universitäten künftig weniger oder gar keine Lehrkräfte mehr ausbilden. Der Vorstoß stieß bei den Hochschulen auf heftige Kritik, da sie um ihre Finanzierung und ihren Ruf fürchten.
Ein radikaler Reformvorschlag
Krachs Idee sieht vor, die Lehrerbildung aus den Universitäten herauszulösen und an einer eigenständigen PH zu konzentrieren. Details blieb er bislang schuldig: Unklar ist, ob die PH alle Lehrkräfte oder nur Grundschullehrer ausbilden soll, wo sie angesiedelt würde und wie viel Geld nötig wäre. Fest steht: Die drei großen Berliner Universitäten und die Universität der Künste würden Lehramtsstudiengänge und damit verbundene Landeszuschüsse verlieren. Einige Uni-Vertreter sehen darin ein Misstrauensvotum gegen ihre Bemühungen um praxisnahe Studiengänge.
Baden-Württemberg als Vergleichsmodell
Baden-Württemberg verfügt über sechs Pädagogische Hochschulen, die seit den 1960er Jahren Lehrer für Grund-, Haupt-, Real- und Sonderschulen ausbilden. Die PHs dort sind eigenständige Hochschulen mit Promotionsrecht, aber ohne das volle Fächerspektrum der Universitäten. Sie arbeiten eng mit den Universitäten zusammen, etwa in der Fachdidaktik. Ein Vorteil: Die Ausbildung ist stärker auf die Schulpraxis ausgerichtet. Allerdings sind die PHs auch kleiner und forschungsschwächer als Universitäten.
Expertenstimmen zum Modell PH
Bildungswissenschaftler wie Professor Klaus-Jürgen Tillmann von der Universität Bielefeld betonen, dass die PH in Baden-Württemberg gute Ergebnisse erziele. „Die Absolventen sind praxisnah ausgebildet und haben eine hohe Berufszufriedenheit“, so Tillmann. Allerdings warnt er vor einer pauschalen Übertragung auf Berlin: „Die Strukturen sind unterschiedlich, und eine PH-Gründung wäre ein massiver Einschnitt.“ Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht ebenfalls Vorteile in einer PH, fordert aber eine breite Diskussion.
Kritik und offene Fragen
Gegner des PH-Modells befürchten eine Entkopplung der Lehrerbildung von der wissenschaftlichen Forschung. Universitäten bieten ein breiteres Fächerspektrum und stärkere Forschung, was die Qualität der Ausbildung heben könne. Zudem wäre eine PH-Gründung teuer: Schätzungen gehen von einem dreistelligen Millionenbetrag für Aufbau und Betrieb aus. Auch die Frage der Übergänge und Anerkennung von Studienleistungen ist ungeklärt. Krach selbst räumt ein, dass sein Vorschlag noch nicht ausgereift sei, aber eine Debatte anstoßen solle.
Ausblick: Wie geht es weiter in Berlin?
Die Berliner Hochschulen haben angekündigt, sich gegen die Pläne zu wehren. Die SPD plant, das Thema im Wahlkampf zu vertiefen. Ob eine PH tatsächlich kommt, hängt vom Ausgang der Landtagswahl und der Koalitionsbildung ab. Experten raten zu einer gründlichen Prüfung, bevor ein solch grundlegender Schritt gegangen wird.



