Venedig plant eine drastische Erhöhung der Tagesgebühr für Touristen. Der neue Bürgermeister Simone Venturini möchte die bestehende Zugangsgebühr für Tagesgäste von derzeit fünf bis zehn Euro auf bis zu 50 Euro anheben. Der Vorstoß hat in Italien eine heftige Debatte ausgelöst.
Hintergrund der geplanten Erhöhung
Die weltberühmte Lagunenstadt kämpft seit Jahren mit den Folgen des Massentourismus. Millionen Besucher kommen jedes Jahr, viele davon nur für wenige Stunden. Sie nutzen die Infrastruktur der Stadt, übernachten jedoch nicht vor Ort und tragen deshalb nur begrenzt zu den kommunalen Einnahmen bei. Um die Besucherströme zu steuern, führte Venedig 2024 als erste Stadt weltweit eine Zugangsgebühr für Tagesgäste ein. Die Abgabe wird bislang nur an besonders stark frequentierten Tagen erhoben und liegt zwischen fünf und zehn Euro. Nach Angaben der Stadt brachte sie 2024 rund zwei Millionen Euro ein, im vergangenen Jahr bereits 5,5 Millionen Euro.
Die Pläne des Bürgermeisters
Der 38-jährige Venturini möchte das Modell nun deutlich ausweiten. Nach seinen Vorstellungen sollen Besucher, die ihren Aufenthalt frühzeitig buchen, künftig etwa 30 Euro zahlen. Wer kurzfristig anreist, müsste bis zu 50 Euro entrichten. Die Maßnahme sei Teil seines Wahlprogramms, betont der Bürgermeister. Ziel sei es, die Besucherzahlen besser zu kontrollieren und zusätzliche Einnahmen für Reinigung, Sicherheit und den Erhalt der historischen Stadt zu erzielen.
Unterstützung aus der Wirtschaft
Unterstützung erhält er von Teilen der Wirtschaft. Einige Verbände fordern sogar, die Gebühr das ganze Jahr über zu erheben. Venedig müsse sich stärker auf qualitativ hochwertigen Tourismus konzentrieren und die Belastung durch große Besuchermengen reduzieren, argumentieren Befürworter.
Opposition und Kritik
Die Opposition lehnt die Pläne dagegen entschieden ab. Der Senator Andrea Martella von der Demokratischen Partei, der im Bürgermeisterduell gegen Venturini unterlegen ist, fordert die Abschaffung der Abgabe. Das Problem des Massentourismus lasse sich nicht durch immer höhere Gebühren lösen, sondern durch eine bessere Organisation der Besucherströme.
Besonders scharf kritisiert der frühere Bürgermeister Massimo Cacciari die Pläne. Eine Stadt dürfe nicht wie ein Museum behandelt werden, sagt er. Wer Eintritt zahlen müsse, um eine Stadt zu betreten, werde von einem öffentlichen Raum ausgeschlossen. Cacciari bezeichnet die Regelung als barbarisch und unzivilisiert.
Rechtliche Bedenken
Auch Verfassungsrechtler äußern Bedenken. Während eine Gebühr von zehn Euro noch als Beitrag zu den Kosten des Tourismus verstanden werden könne, werfe ein Betrag von 50 Euro rechtliche Fragen auf. Kritiker sehen die Gefahr, dass eine derart hohe Summe die in der italienischen Verfassung garantierte Bewegungsfreiheit einschränken könnte.
Ausblick
Noch ist die Erhöhung nicht beschlossen. Venturini will zunächst Gespräche mit der Regierung in Rom führen. Die Diskussion über die geplante Super-Gebühr für Venedig polarisiert jedoch bereits jetzt.



