Schweden, lange Zeit Vorreiter der bargeldlosen Gesellschaft, macht eine kleine Rolle rückwärts. Seit dem 1. April 2025 sind Lebensmittelgeschäfte und Apotheken gesetzlich verpflichtet, Bargeld als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Die Gesetzesänderung zielt darauf ab, das Land besser gegen technische Ausfälle in Krisensituationen zu wappnen und Menschen, die mit digitalen Bezahlformen Schwierigkeiten haben, nicht auszuschließen.
Hintergrund der Gesetzesänderung
In Schweden läuft der Alltag fast ausschließlich bargeldlos ab – ob mit Karte oder per Smartphone. Doch die Abhängigkeit von Technik birgt Risiken. „In manchen Situationen, wenn die Technik streikt, können Münzen und Scheine die einzige Bezahlform sein, die funktioniert“, sagte Carlos Cancino von der Supermarktkette Coop der Nachrichtenagentur TT. Die neue Regelung soll sicherstellen, dass auch bei Stromausfällen oder Systemstörungen weiterhin bezahlt werden kann.
Ausnahmen und Umsetzung
Trotz des neuen Gesetzes ist kein echtes Bargeld-Comeback zu erwarten. Die Regelung sieht zahlreiche Ausnahmen vor. So sind Supermärkte ohne bemannte Kassen von der Pflicht befreit. Auch Läden, in denen die Annahme von Bargeld die Sicherheit der Mitarbeiter gefährden würde, müssen keine Scheine und Münzen annehmen. Zudem können Händler sich auf die Kosten eines Bargeld-Systems berufen. Ein weiteres Detail: Die Geschäfte müssen nicht mehr als 25 Münzen pro Zahlung akzeptieren. Unklar ist zudem, ob und wie Verstöße gegen die neue Regelung geahndet werden.
Bargeldnutzung in Schweden
Die Nutzung von Bargeld ist in Schweden seit Jahren rückläufig. In einer Umfrage der schwedischen Reichsbank gaben im September 2024 nur fünf Prozent der Befragten an, ihren letzten Einkauf bar bezahlt zu haben. Dennoch empfiehlt die Reichsbank den Schweden seit einiger Zeit, für den Krisenfall neben mehreren Bankkarten und dem Bezahldienst auf dem Handy umgerechnet rund 90 Euro Bargeld zu Hause aufzubewahren.
Reaktionen der Händler
Viele Supermärkte in Schweden akzeptieren ohnehin noch Bargeld. Dennoch stößt die Pflicht bei einigen Händlern auf Widerstand. Laut TT haben einige Läden bereits angekündigt, sich nicht an die neue Regelung zu halten. Die große Mehrheit der Schweden zahlt weiterhin am liebsten mit Karte oder Handy, sodass die praktische Bedeutung des Gesetzes begrenzt sein dürfte.



