Der rasante Gewichtsverlust durch Abnehmspritzen wie Ozempic oder Wegovy bringt für viele nicht nur Freude, sondern auch neue Probleme mit sich: Überschüssige Haut, die an Armen, Bauch oder Oberschenkeln in unschönen Hautlappen herabhängt. Die Betroffenen fühlen sich oft unwohl und unglücklich, trotz des erreichten Traumgewichts. Mediziner und Betroffene berichten über die Möglichkeiten und Grenzen von Straffungs-Operationen.
Warum entstehen Hautlappen?
Bei einer raschen Gewichtsabnahme – sei es durch Diät, Sport oder medikamentöse Unterstützung – kann die Haut nicht schnell genug schrumpfen. Das Bindegewebe verliert an Elastizität, besonders bei älteren Menschen oder nach mehreren Schwangerschaften. Die Folge: überschüssige Haut, die oft als störend empfunden wird. „Die Haut kann sich nicht mehr vollständig zurückbilden, wenn das Volumen darunter zu schnell verschwindet“, erklärt Dr. Petra Müller, Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie in München.
Welche OP-Verfahren gibt es?
Je nach Körperregion kommen unterschiedliche Eingriffe in Frage: Eine Bauchdeckenstraffung (Abdominoplastik) entfernt überschüssige Haut und strafft die Bauchmuskulatur. Eine Oberarmstraffung (Brachioplastik) korrigiert die sogenannten „Bingo-Wings“, während eine Oberschenkelstraffung die Innenseiten der Beine glättet. Auch eine Gesäßstraffung oder ein Bodylift sind möglich. Die Operationen dauern je nach Umfang zwischen zwei und sechs Stunden und werden in Vollnarkose durchgeführt. Die Narben sind meist lang, verblassen aber mit der Zeit.
Was kosten die Eingriffe?
Die Kosten für eine Straffungs-OP variieren stark: Eine Bauchdeckenstraffung kostet zwischen 5.000 und 10.000 Euro, eine Oberarmstraffung zwischen 3.000 und 6.000 Euro. Eine Kombination mehrerer Eingriffe kann schnell 15.000 Euro oder mehr betragen. Die Preise hängen von der Klinik, dem Chirurgen und dem individuellen Aufwand ab. Die meisten Kassen übernehmen die Kosten nur, wenn ein medizinischer Grund vorliegt – etwa chronische Hautinfektionen, Entzündungen oder Bewegungseinschränkungen durch die Hautlappen. „Reine ästhetische Gründe reichen nicht aus“, stellt der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen klar.
Wann zahlen die Krankenkassen?
Eine Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenkasse ist möglich, wenn die überschüssige Haut zu gesundheitlichen Problemen führt. Dazu zählen: wiederkehrende Hautausschläge, Pilzinfektionen, Ekzeme in den Hautfalten, Schmerzen durch Zug an der Haut oder Bewegungseinschränkungen. Der behandelnde Arzt muss dies ausführlich dokumentieren. Vor der Operation ist eine Genehmigung der Kasse erforderlich. Private Krankenversicherungen übernehmen die Kosten oft, wenn eine medizinische Notwendigkeit besteht – die genauen Bedingungen variieren je nach Tarif.
Alternativen zur OP
Nicht jeder Betroffene möchte oder kann sich einer Operation unterziehen. Mediziner empfehlen als Alternative: Krafttraining, das die Muskulatur unter der Haut stärkt und das Erscheinungsbild verbessern kann. Auch spezielle Cremes mit Hyaluronsäure oder Koffein können die Hautelastizität leicht fördern, allerdings nur begrenzt. „Keine Creme kann überschüssige Haut entfernen“, warnt Dr. Müller. „Bei ausgeprägten Hautlappen hilft nur die Chirurgie.“ Nicht-invasive Verfahren wie Radiofrequenz oder Ultraschall können bei leichter Erschlaffung unterstützen, aber keine großen Hautüberschüsse beseitigen.
Risiken und Grenzen der OP
Straffungs-Operationen sind große Eingriffe mit typischen Risiken wie Narben, Blutergüssen, Infektionen oder Wundheilungsstörungen. Raucher haben ein erhöhtes Komplikationsrisiko. Zudem ist der Heilungsprozess langwierig: Nach einer Bauchdeckenstraffung müssen Patienten sechs bis acht Wochen auf Sport verzichten. Die Ergebnisse sind meist dauerhaft, solange das Gewicht stabil bleibt. „Eine erneute Gewichtszunahme kann die Haut wieder dehnen“, so Dr. Müller. Betroffene sollten daher vor der OP ein stabiles Gewicht erreicht haben.



