Seit dem 26. Juli 2025 ist der Eintritt in den Kölner Dom nicht mehr kostenlos. Pünktlich um 10.00 Uhr betraten eine Mutter und ihr Sohn aus der Ukraine als erste Besucher den Innenraum gegen einen Eintrittspreis von zwölf Euro. Die beiden, die in Istanbul leben, waren überrascht, dass der Eintritt zuvor kostenfrei war. „Aber es ist ein fairer Preis. Es ist so ein schönes Gebäude“, sagte die Mutter namens Julia der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Touristen zeigen Verständnis für den Eintrittspreis
Viele ausländische Touristen teilen diese Meinung. Der US-Amerikaner Michael betonte: „Der Preis ist mehr als fair. Solche Gebäude kosten eine Menge Geld und Arbeit. Mein Land, die USA, sind erst 250 Jahre alt, solch schöne Kirchen wie diese haben wir gar nicht.“ Auch Julian aus Malta hatte nichts am Preis auszusetzen: „Es ist ja auch in anderen Ländern normal, dass solche Kirchen erhalten werden müssen und man dafür auch einen Beitrag zahlen muss.“ Er hatte sein Ticket online erworben und der Einlass verlief problemlos.
Anlaufschwierigkeiten am ersten Tag
Nicht alle Besucher hatten so viel Glück. Zum Einlassbeginn um 10.00 Uhr bildete sich eine kleine Schlange, da es plötzlich Ticketkontrollen gab. Auch das Scannen der Tickets bereitete anfangs Probleme. Doch nach kurzen Startschwierigkeiten lief der Betrieb rund, und die Schlange löste sich schnell auf, wie ein dpa-Reporter vor Ort beobachtete.
Dompropst Guido Assmann räumte ein: „Ich will gar nicht behaupten, dass alles reibungslos und wunderbar klappt.“ Es müssten noch einige Schilder mit klaren Hinweisen angebracht werden, aber das seien normale Startschwierigkeiten. Er sei sich sicher, dass sich das mit der Zeit einspiele.
Verwirrung um kostenfreien Zugang für Gebete
Das Domkapitel hatte angekündigt, dass der Dom zum Beten weiterhin kostenfrei betreten werden könne – allerdings nur über den Nordeingang an der Bahnhofsseite. Eine Kölnerin, die am Haupteingang zum Beten hineinwollte, wurde zum Nordeingang geschickt. Auch dort bildete sich eine Schlange, und Mitarbeiter mussten immer wieder Touristen zum Haupteingang oder zum Ticketportal schicken. Touristen, die angaben, lediglich zum Beten oder zum Anzünden einer Kerze zu kommen, wurden jedoch eingelassen. Eine „Gesinnungsprüfung“ wolle man nicht durchführen, hatte das Domkapitel betont und setze auf Vertrauen.
Einzelfall von Missbrauch
Ein Mann beobachtete im Innenbereich, wie eine Frau über die Absperrung kletterte, um den Rest der Kirche gratis zu besichtigen. Dompropst Assmann bezeichnete dies als „Einzelfall“ und geht davon aus, dass sich die meisten Menschen an die Regeln halten. Im begrenzten Innenbereich des Nordeingangs kamen die meisten Menschen tatsächlich zum Beten. Die Stimmung im Dom war ruhiger als sonst, und der Andrang war geringer als am Vortag, wie ein Mitarbeiter berichtete.
Kritik von deutschen Besuchern
Einige Deutsche hatten den Dom extra am Vortag besucht, um den letzten kostenfreien Eintritt zu nutzen. Ein Ehepaar aus dem Raum Frankfurt fand den Preis etwas zu hoch, aber die Frau zeigte Verständnis: „Der Dom muss natürlich unterhalten werden. Die meisten, die hier reingehen, sind ja auch nur einmal hier. Wir zahlen im Ausland ja auch oft Eintritt.“ Ulrike aus Süddeutschland, die ebenfalls am Vortag kostenfrei im Dom war, meinte als Christin sei das fair: „Da könnte man ja nochmal drüber nachdenken, ob zahlende Christen nicht gratis hereinkommen dürfen.“ Ein Kölner mittleren Alters konnte den Preis zwar nachvollziehen, aber „nicht zwölf Euro.“
Finanzielle Notwendigkeit für den Dom
Bislang war der große Innenraum des Doms stets kostenlos zugänglich, nur für die Schatzkammer oder den Aufstieg zur Aussichtsplattform wurde Eintritt verlangt. Das Domkapitel hatte jedoch mitgeteilt, dass seit 2019 Minus gemacht werde und man daher auf die Einnahmen angewiesen sei. Ein Touristenführer, der gelegentlich durch den Dom führt, äußerte Bedenken: „Für Familien mit geringem Einkommen wird sich das jetzt nicht mehr darstellen lassen, weil das dann einfach doch ein ziemlich hoher Betrag ist. Das werden die sich schon überlegen. Aber gut, ich nehme an, das war die Intention dahinter.“



