Fifa-Ticket-Chaos: Leere Ränge bei der WM 2026?
Fifa-Ticket-Chaos: Leere Ränge bei der WM 2026?

Fifa-Präsident Gianni Infantino hatte vor Monaten noch vollmundig verkündet, dass die Weltmeisterschaft 2026 restlos ausverkauft sei. „Jedes Spiel ist bereits ausverkauft“, sagte er im Februar. „Wir halten natürlich einige Tickets für den Last-Minute-Verkauf zurück, aber jedes Spiel ist ausverkauft.“ Es klang nach der größten und bestbesuchten WM aller Zeiten. Doch eine aktuelle Recherche der BBC zeichnet ein ganz anderes Bild: Tausende Tickets sind noch immer verfügbar – viele davon zu Preisen weit unter dem ursprünglichen Nennwert.

US-Justiz ermittelt gegen die Fifa

Schon früh hatten Fans die hohen Preise und das undurchsichtige Zuteilungsverfahren kritisiert. Nun schaltet sich sogar die US-Justiz ein: Die Generalstaatsanwältinnen von New York und New Jersey ermitteln gegen den Fußballweltverband. Jennifer Davenport, Generalstaatsanwältin von New Jersey, wirft der Fifa vor, den Ticketverkauf zu „einem Labyrinth aus Verwirrung, künstlicher Verknappung und unmöglich hohen Preisen“ gemacht zu haben.

Nicht nur die Preise explodierten binnen kürzester Zeit, die Fifa verkaufte Tickets verschiedener Kategorien auch zunächst ohne Sitzplatzbindung. Mit steigender Nachfrage wurden dann weitere, zuvor nicht einsehbare Kategorien eingeführt. Frühe Käufer wurden dadurch teils in weniger attraktive Plätze verschoben, was für erheblichen Unmut sorgte.

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Vor allem Spiele kleinerer Nationen betroffen

Während Partien der Topnationen wie Brasilien, Spanien oder Frankreich weiterhin gefragt sind, haben es kleinere Fußballnationen schwer. Selbst für das Eröffnungsspiel zwischen Mexiko und Südafrika sind noch Tickets zum Nennwert verfügbar – allerdings zu Preisen von über 2000 Dollar. Auch für Spiele des Co-Gastgebers USA gibt es noch Karten. Die BBC berichtet, dass Tickets für Begegnungen kleinerer Nationen mittlerweile weit unter dem Nennwert erhältlich sind – sowohl auf der offiziellen Wiederverkaufsseite der Fifa als auch auf Sekundärmärkten.

Der Verband wird zudem beschuldigt, Restbestände still über die Plattform SeatGeek zu verkaufen, die er nicht mehr regulär absetzen kann. SeatGeek bestreitet eine direkte Beteiligung, eine Anfrage der BBC an die Fifa blieb unbeantwortet.

Preisverfall bei ausgewählten Spielen

Die BBC hat fünf Spiele mit geringerer Nachfrage genauer untersucht. Dabei zeigte sich, dass Plätze im beliebten unteren Rang weit unter dem Nennwert angeboten werden. Den größten Preisverfall verzeichnet das Spiel Jordanien gegen Algerien in Santa Clara: Tickets mit einem Nennwert von rund 620 Dollar waren auf der Fifa-Wiederverkaufsseite bereits für 171 Dollar zu haben.

Leere Ränge auch bei der Klub-WM

Es ist nicht das erste Mal, dass Infantino das Interesse an einem Turnier in den USA überschätzt. Bereits bei der Klub-WM im vergangenen Jahr musste er die anfangs angekündigten Preise drastisch senken. Wie der „Kicker“ berichtete, fiel der Preis für das günstigste Halbfinalticket (FC Chelsea gegen Fluminense Rio de Janeiro) von 473,90 auf 13,40 Dollar. Die Fifa begründete dies mit einer dynamischen Preisgestaltung, bei der die Kosten je nach Nachfrage schwanken können.

In einer Erklärung hieß es damals: „Seit Beginn des Kartenverkaufs Ende 2024 wurde eine variable Preisgestaltung für den öffentlichen Kartenverkauf für alle Spiele des Wettbewerbs eingeführt.“ Dies bedeute, man könne die Ticketpreise je nach Nachfrage und Verfügbarkeit anpassen.

Nun scheint die Fifa dieses Konzept auch auf die WM anzuwenden. Doch die Unzufriedenheit der Fans wächst. In sozialen Medien kündigen viele an, den Stadien ganz fernzubleiben. Ob Infantino tatsächlich seine ausverkaufte WM mit vollen Rängen und mitreißender Stimmung erleben wird, darf bezweifelt werden.

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