Der geplante Börsengang von SpaceX fällt in eine Phase, in der Technologie-Aktien ähnlich wie vor einem Vierteljahrhundert als „nächste große Story“ an der Börse gehandelt werden. Bislang schienen deutsche Anleger bei dem spektakulären IPO außen vor zu bleiben, weil sich deutsche Banken nicht zu beteiligen schienen. Das aber ist jetzt anders.
Trade Republic ermöglicht Zeichnung für deutsche Anleger
In der abgelaufenen Woche hat unter anderem der Neobroker Trade Republic in dem Hype um das von Elon Musk geführte Raumfahrtunternehmen ein neues Kapitel aufgeschlagen: Deutsche Privatanleger können sich am SpaceX-Börsengang beteiligen. Dabei geht es um mehr als um eine lästige Werbe- oder Servicenachricht. Das Signal lautet: Der Vertrieb von Neuemissionen rückt – wieder einmal – näher an den Massenmarkt. Es drängt sich der Vergleich mit der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende auf.
Damals waren es Consors, Comdirect und DAB
Damals war der deutsche „Neue Markt“ Nährboden für eine Neuemissionseuphorie, die sich verselbstständigte. Direktbroker hatten die Hürden für den Handel und die Zeichnung gesenkt – und profitierten von dem Boom. So eröffneten vor gut 25 Jahren viele neue Kunden bei den Onlinebanken wie Consors, Comdirect oder der Direkt Anlage Bank (DAB) ein Konto und Depot, was den Instituten einen Wachstumsschub bescherte. Die Anleger wiederum kamen nur so an die begehrten Neuemissionen. Damals ging es vor allem um deutsche Firmen, die an die Börse strebten, wie etwa Infineon, Mobilcom und Intershop.
Oftmals verdoppelten und verdreifachten sich die Kurse in den ersten Handelsminuten. Dies befeuerte den Sog. Viele Kleinanleger meldeten sich deshalb bei mehreren Direktbrokern gleichzeitig an, um die Neuemissionen zeichnen zu können. Die Zuteilung mit neuen Aktien glich indes einer Lotterie: Die Nachfrage überstieg das Angebot um ein Vielfaches.
Ähnlichkeiten und Unterschiede zur heutigen Situation
Die Situation heute ist ähnlich, aber nicht gleich. Denn selbst wenn Privatanleger SpaceX zeichnen dürfen, heißt das noch lange nicht, dass sie auch zum Zuge kommen. Die Zuteilung hängt von der Nachfrage während der Zeichnungsfrist ab. Damals wie heute streben viele Anleger danach, die neuen Aktien zu erhalten. Der Blick auf den Preis und die Bewertung kommt erst hinterher. Der Unterschied zur Jahrtausendwende ist jedoch, dass es dieses Mal nicht um deutsche Aktien geht, sondern um die Titel eines großen US-Unternehmens. Eine Parallele zu damals ist, dass das US-Unternehmen zwar Umsätze, aber keine Gewinne erwirtschaftet.
Warnsignale aus der Börsenwoche
In Zeiten der Dotcom-Blase kippte die Stimmung im Frühjahr 2000. Es gab zwar weiterhin Neuemissionen, aber den Anlegern mangelte es an frischem Kapital, um die vielen IPOs zu bezahlen und die Kurse der bereits börsennotierten Aktien immer weiter zu treiben. Und weil sich die immer höher gesteckten Erwartungen nicht erfüllten, sorgten kleinere Enttäuschungen in den Quartalszahlen dafür, dass die Kurse fielen.
Die abgelaufene Börsenwoche lieferte eine Warnung in diese Richtung. Der Chipkonzern Broadcom verfehlte mit seinem Umsatz im zweiten Quartal die Umsatzerwartungen der Analysten knapp. Die Aktie verlor daraufhin am Donnerstag und Freitag insgesamt 19 Prozent an Wert. Die Verunsicherung griff daraufhin auf die gesamte Wall Street über und brachte dem Technologieindex Nasdaq 100 am Freitag den schlechtesten Handelstag seit über einem Jahr ein. In diesem Umfeld ist Elon Musk mit SpaceX vermutlich gut beraten, seinen Börsengang rasch zu vollziehen.



