Der Essener Energiekonzern RWE strebt die Mehrheit am deutschen Übertragungsnetzbetreiber Amprion an. Wie das Unternehmen nach Börsenschluss mitteilte, soll die Beteiligung auf 55 Prozent aufgestockt werden. Der Kaufpreis für die zusätzlichen Anteile beläuft sich auf rund 3,6 Milliarden Euro.
Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Übernahme
Um die Transaktion zu finanzieren, plant RWE eine Kapitalerhöhung. Dabei sollen bis zu knapp 74,4 Millionen Aktien ausschließlich bei institutionellen Anlegern platziert werden. Neue Anteile im Umfang von bis zu 4,9 Prozent des Grundkapitals werden gegen Bareinlagen ausgegeben. Zudem will RWE eigene Aktien im Umfang von bis zu 5,1 Prozent des Grundkapitals veräußern. Das Bezugsrecht der Aktionäre wird ausgeschlossen.
Hintergrund der Beteiligungsstruktur
Bislang hielt RWE über ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Finanzinvestor Apollo 25,1 Prozent an Amprion. Die restlichen Anteile liegen bei der M31 Beteiligungsgesellschaft, einem Konsortium aus Versorgungswerken und institutionellen Finanzinvestoren der Versicherungswirtschaft, darunter Meag Munich Ergo und Talanx. Mit den nun getroffenen Vereinbarungen erwirbt RWE die indirekten Anteile von M31 an Amprion.
Zeitplan und Bedeutung für die Energiewende
Die Aufstockung der Beteiligung soll bis Ende September abgeschlossen sein. Übertragungsnetzbetreiber wie Amprion spielen eine zentrale Rolle bei der Energiewende, da sie den Transport von Strom aus erneuerbaren Quellen zu den Verbrauchern gewährleisten. Mit der Mehrheitsübernahme stärkt RWE seinen Einfluss auf die Netzinfrastruktur.
Marktreaktionen und Ausblick
Die Ankündigung erfolgte nach Börsenschluss, sodass die Reaktionen der Märkte erst am folgenden Handelstag sichtbar werden. Analysten bewerten den Schritt als strategisch bedeutsam, da RWE sich so langfristig Zugang zu den Netzgebühren sichert. Der Konzern selbst betont, dass die Investition in Amprion ein klares Bekenntnis zur Energiewende sei.



