Erster Prozess nach Schließfach-Coup in Gelsenkirchen beginnt
Erster Prozess nach Schließfach-Coup in Gelsenkirchen

Nach dem spektakulären Einbruch in die Sparkasse Gelsenkirchen-Buer wenige Tage vor dem Jahreswechsel 2025/26 beginnen am Donnerstag die ersten Zivilprozesse gegen das Geldinstitut. Der Anwalt der Geschädigten, Daniel Kuhlmann, wirft der Sparkasse vor, den Tresorraum nicht ausreichend gesichert zu haben. Er und zwei Mandanten fordern Schadenersatz. Eine Sammelklage ist in diesem Fall nicht möglich gewesen.

Hintergrund des Coups

Die Täter drangen mit einem Kernbohrer in den Tresorraum ein und erbeuteten Geld, Gold und Erbstücke aus über 3000 Schließfächern. Der Gesamtschaden wird auf bis zu einer halben Milliarde Euro geschätzt. Von den Tätern und der Beute fehlt bis heute jede Spur. Kuhlmann vertritt rund 650 Opfer und beziffert allein den Schaden eines Mandanten auf 51,5 Millionen Euro.

Vorwürfe gegen die Sparkasse

Kuhlmann stützt sich auf ein Sachverständigengutachten, das der Sparkasse schwere Sicherheitsmängel vorwirft. „Die Sparkasse hat überhaupt kein Alarmsystem im Tresorraum, sondern nur im allgemeinen Bankgebäude“, sagte er. Zudem hätten die Wände und Decken des Gebäudes nach branchenüblichen Standards überwacht werden müssen. Die Sparkasse wies die Vorwürfe bislang zurück.

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Warum keine Sammelklage möglich ist

Rechtsanwalt Hans Reinhardt, der ebenfalls über 200 Opfer vertritt, erklärte: „Jeder Geschädigte muss selbst klagen, da es in Deutschland keine Sammelklage in dieser Form gibt. Zudem ist jeder Fall anders gelagert – unterschiedliche Inhalte, unterschiedliche Beweismittel wie Zeugen, Fotos oder Inventarlisten.“ Auch die individuellen Vertragsverhältnisse mit der Sparkasse erforderten Einzelklagen. Sammelklagen seien nur im Verbraucherschutzrecht möglich, etwa bei Dieselskandalen.

Prozessauftakt und Dauer

Für die ersten beiden Zivilprozesse sind zunächst Güteverhandlungen und mögliche Vergleiche angesetzt. Die genaue Anzahl der Prozesstage steht noch nicht fest, da die Verfahren aufgrund ihrer Komplexität voraussichtlich Monate oder sogar Jahre dauern könnten. Der Anwalt kämpft unter anderem für Joachim Alfred Wagner (63), der seine Altersvorsorge und unersetzliche Erbstücke verloren hat.

Wütende Kunden hatten nach Bekanntwerden des Coups vor der Sparkasse demonstriert. Die Polizei fahndet weiterhin nach den Tätern, jedoch ohne Erfolg. Die Opfer müssen nun geduldig auf eine mögliche Entschädigung warten.

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